Kanzlerblog

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Monatsarchive: Mai 2010

Was zum Teufel ist ein Gesundexperte?

Gibt es bei der Barmer GEK, aber nicht im Duden: Gesundexperten (Quelle: Barmer GEK)

Liebe Barmer GEK, obwohl ich ein sehr zufriedenes Mitglied bin, musste ich mich heute wieder einmal über Euch ärgern. Nicht wegen schlechter Leistungen, sondern wegen Sprachverhunzung. Da will ich etwas bei Euch abgeben und lese auf dem Briefkasten wieder einmal „Barmer GEK – die Gesundexperten“. Auf Eurer Homepage ist zu lesen: „Die Barmer GEK Gesundexpertinnen und Gesundexperten geben Tipps, wie Sie mit dem richtigen Sonnenschutz den Sommer genießen können.“

Aber jetzt mal ehrlich. Was zum Teufel soll das sein? Ein Gesundexperte? Oder eine Gesundexpertin? Mir scheint,  Ihr seid den Einflüsterungen einer Spezies von Werbetreibenden erlegen, die meinen, mit möglichst schrill klingenden Sprachverirrungen ihr Geld verdienen zu müssen. Anders kann ich mir das nicht erklären.

„Gesundexperte“ ist weder Deutsch, noch originell. Es nervt einfach nur. So wie viele andere Sprachverirrungen, mit denen uns die Werbung immer wieder belästigt. Coca Colas „Unkaputtbar“ war seinerzeit einzigartig und ist wohl bis heute unerreicht. Wozu all diese billigen Nachahmungsversuche?

Liebe Barmer GEK. Bitte sucht Euch doch endlich einen Claim, der Euch wirklich gerecht wird! Zur Not geht’s auch ohne…

P.S.: Wie wäre es eigentlich mit „Barmer GEK – die Gesundheitskasse“? Das wäre doch mal richtig gelungen! Ach nee, die Gesundheitskasse gibt es ja schon…

Herr W. macht Marktforschung

Zu den Segnungen des modernen Verbraucherschutzes gehört es, dass Marktforscher, Telefonverkäufer und andere Akquisiteure verpflichtet sind, ihre Rufnummer zu erkennen zu geben. Daher weiß ich in der Regel, dass es meine Großmutter ist, wenn im Display meines Telefons eine “Privatnummer” erscheint. Alle anderen Nummern aus meinem Umfeld sind digitalisiert und erscheinen im Display.

Täglich ereilen mich viele Anrufe mit mir unbekannter Nummer, während ich auf der Arbeit bin. Die Anrufer hinterlassen in der Regel keine Nachricht auf der Mailbox. Auf der Website whocallsme.com schaue ich dann nach, wer mir da wieder meine kostbare Zeit stehlen oder etwas verkaufen wollte. Auch ein Segen der Informationsgesellschaft. Die Nummern landen direkt auf meiner persönlichen schwarzen Liste, denn oft versuchen es diese Leute auch abends in meiner kostbaren freien Zeit zu Hause bei der Familie. Natürlich machen “diese Leute” auch nur ihren Job und ich mache ihnen deshalb auch keinen Vorwurf. Manche sind allerdings ziemlich abgebrüht.

Heute Abend rief Herr W. an. Die Familie saß gerade beim Abendessen. “Guten Abend, W. hier. Wir machen eine Umfrage über Wein. Kein Verkauf!” Ich dachte es wäre meine Großmutter. Es geht ihr nicht gut. Rufnummer unterdrückt. Aber es war Herr W. “Geht ganz schnell” und fragt gleich drauf los. Kein Auftraggeber, kein Institut, keine Studie, um die es geht. Ob ich lieber trocken oder lieblich trinke. Ob es mir wichtig sei, wo der Wein herkommt. Ob ich wisse, dass Wein gesundheitsfördernde Stoffe enthalte. “Danke, das war’s. Das Weingut wird sich in den nächsten Tagen bei Ihnen wegen einer Gratisprobe melden.” Kein Verkauf??? Aber ein Fall für die Bundesnetzagentur!

Wir haben zwei Telefonanschlüsse. Ich habe gerade das Abendessen wieder aufgenommen, da schellt das andere Telefon. “W. hier, guten Abend Herr Fitzke, wir führen in Ihrem Ort eine Umfrage zum Thema Wein durch…”. – “Danke Herr W., wir haben uns gerade schon unterhalten.” – “Ach so, na dann wünsche ich noch einen schönen Montagabend.”

Das war unprofessionell von Ihnen, Herr W. Es ist doch Dienstag! Aber bald lerne ich ja Ihren Auftraggeber kennen…

Update 27.05.2010: das Weingut hat sich bei mir gemeldet. Mit Rufnummernunterdrückung! Wollte mir auf Teufel komm raus was verkaufen, da ich ja an der Umfrage teilgenommen habe. Es handelt sich um ein Weingut in Bornheim bei Mainz. 350 Jahre alt, seit 11 Generationen im Familienbesitz. Dass die so was nötig haben.

Meine Hinweise auf ihre Praktiken hat die freundliche, aber bestimmte Frau L.  völlig ignoriert und mir angeboten, sich doch in einem Monat noch einmal zu melden. Bitte nicht!

Linux für Einsteiger auf SPIEGEL-ONLINE

c't kompakt 01/2010 aus dem Heise Zeitschriften Verlag

Aufgrund der Dominanz von Microsoft – auch in der öffentlichen Wahrnehmung – haben sich bisher die wenigsten PC-Nutzer ernsthaft mit den Möglichkeiten von Linux auseinandergesetzt. Open Source hat meist nur da eine Chance, wo es auf Windows läuft. Wäre es anders, wenn es in den Medien einmal einen Linux-Hype gegeben hätte? So richtig haben sich da bisher nur wenige rangetraut. Der Mainstream berichtet kaum und Nischenblätter wie Linux Magazin oder Linux User richten sich im Wesentlichen an Profis oder ambitionierte Nutzer, die ihre Entscheidung bereits getroffen haben.

Ich habe es nie richtig verstanden, warum Linux bei Privatanwendern und kleinen Unternehmen noch keinen Platz erobert hat. Sicher gibt es Hemmschwellen beim Umstieg. Aber vor allem ist es doch immer noch das Image, dass Linux ein System für Bastler, Marktverweigerer und Vegetarier ist. Und das ist Unsinn. Ganz sicher. Die Massenmedien haben bislang wenig dazu beigetragen, dieses Image gerade zu rücken.

Seit etwa zehn Jahren nutze ich jetzt Linux. Seit mindestens 5 Jahren ist mein Rechner Windows-freie Zone und mir fehlt nichts. Im Gegenteil: Wenn ich anderswo mit Windows-Neu Installationen konfrontiert werde, staune ich immer wieder wie viel einfacher es ist, ein komplett neues Linux-System mit allem was dazu gehört aufzusetzen. Die Hardware-Unterstützung ist (von Ausnahmen abgesehen) mittlerweile kaum noch ein Thema. Die Anwendungen sind ausgereift und benutzerfreundlich. Da man Linux problemlos als Zweitsystem installieren kann, lässt sich der Übergang sanft gestalten. Natürlich kann man auch einfach eine Experimentier-Umgebung aufbauen oder mehrere Systeme parallel testen.

Das neue c’t kompakt Linux aus dem Heise Zeitschriften Verlag hat erfreulicherweise die Netzwelt-Redaktion von Spiegel online überzeugt. Sie zitiert einen wunderbaren und leicht verständlichen Artikel von Andrea Müller, der Lust auf den Einstieg macht. Es wäre wünschenswert, wenn die Mainstream-Medien diesem Beispiel folgen und dem Thema künftig  mehr Aufmerksamkeit schenken würden…

Big Gooooooogle is watching you

Zuerst griff Google nach dem Netz. Alle machten mit.  Dann nach der Welt. Toll, ist ja kostenlos. Google kam aufs Smartphone und überholt jetzt sogar den Shooting Star  von Apple. Und jetzt auch das noch: Google TV – Die Zukunft des Fernsehens.  Google kommt ins Wohnzimmer. Wo bleibt der Aufschrei? Er wird nicht kommen.

Google hat uns in der Hand. Google bestimmt über unseren Zugang zum Wissen der Welt. Die Medien brauchen Google. Wie lange aber braucht Google noch die Medien?

Google ist die erste echte Welt AG. Google tut nichts Böses. Sagt Google. Und die Medien tun Google nichts. Viele jedenfalls. In Anbetracht der jüngsten Fakten und Vorwürfe erscheint die Berichterstattung jedenfalls eher harmlos. Selbst BILD ist auf Schmusekurs. Facebook wäre doch sicher zerfleischt worden. Aber an Google hat man sich längst gewöhnt. Und  Google kontrolliert zunehmend den digitalen Zugang zu den Medien.

Das Internet ist Google. Das Handy wird Google. Google ist vielleicht das von vielen lang ersehnte Ende der Rundfunkgebühr. Bald gucken wir also nur noch Google. Und: Big Goooooogle is watching you. Und alles so preiswert!

Weltmacht Google. Android. Google TV. Gerald Reischl hat es vorausgesehen. In der Google Falle. Es hat schon damals niemanden gestört.

Bei Gunnarsohn gibt es dazu übrigens eine Umfrage

Folgt auf den Facebook-Exodus der Google-Exodus?

Die Anzeichen verdichten sich, dass Facebook den Bogen überspannt hat. FAZ-Netzökonom Holger Schmidt erfährt im Interview mit Web 2.0 Vordenker Stowe Boyd, dass Facebook sich von von den Protesten nach den Änderungen der Privatsphäre möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Jetzt der GAU bei Google. Nicht böse sein, das haben die meisten denen bisher abgenommen. Oder einfach ohne Nachzudenken die niedliche bunte Suchmaschine mit den zugegebenermaßen derzeit besten Ergebnissen ganz selbstverständlich genutzt. Oder es war ihnen zumindest noch egal. Damit könnte es jetzt vorbei sein.

So zerknirscht sich Google jetzt aber auch  geben mag, das Image ist zu Recht  schwer angekratzt. Alternativen zu Facebook gibt es schon lange. Sie sind kaum bekannt. Gleichzeitig nutzt mit Diaspora eine neue Open Source Initiative die aktuelle Debatte, sich in Stellung zu bringen.

Bisher sind alle Versuche, alternative Suchmaschinen auch nur ein bisschen bekannter zu machen gescheitert. Die meisten Projekte wurden nach kurzer Zeit bereits wieder eingestellt, etwa die europäische Suchmaschine Accoona.  Schlägt jetzt die Stunde der Google-Alternativen?