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Monatsarchive: August 2010

McFit: Kopflose Kommunikation

Der Kommunikation von McFit fehlt der Kopf. Im doppelten Sinne. Geschäftsführer und Gründer Rainer Schaller ist nach der Love Parade-Katastrophe abgetaucht. Er hinterlässt ein Vakuum. Bis heute sind die Erklärungen des Veranstalters der Love Parade dünn und spärlich.

Auf der Homepage gab es ein schmallippiges Statement: „Die Menschen und Macher von McFit, dem Hauptsponsor der Loveparade Metropole Ruhr 2007-2011, sind erschüttert und zutiefst betroffen von dem tragischen Unglück, welches sich auf der Loveparade in Duisburg ereignet hat. Wir sind mit unseren Gedanken und unserem Mitgefühl bei allen Angehörigen und Freunden der Unfallopfer.“

Nach einer Schamfrist wurde das Statement schon wieder von der Seite genommen. Wieder alles richtig schön bunt hier! Anstelle des Editorials in der Mitgliederzeitschrift, das normalerweise Schallers Porträt ziert und in dem er seine Favoriten der Ausgabe vorstellt, das selbe Statement. Klein und dürftig auf zwei ansonsten schwarzen Seiten. Der selbe Text auf Facebook. Danach ein paar Wochen Sendepause. Am 16.08.2010 heißt es schließlich auf der Fanpage: „Liebe Mitglieder und Fans. Aus Respekt vor den Opfern und deren Hinterbliebenen haben wir die Fanpage die letzten Wochen ruhen lassen. Wir möchten nun mit euch wieder in den Dialog treten. Bitte sagt uns, was ihr darüber denkt.“ Auf dem Studiokanal ging die Party die ganze Zeit weiter. Nicht einmal das dünne Statement war zu sehen.

Die Menschen und Macher von McFit? Wo bleibt der Kopf, der für alles steht? Wann bricht er sein Schweigen? Sicher ist es ungeheuerlich, mit der Last dieser Verantwortung fertig werden zu müssen. Ganz unabhängig von der Schuldfrage. Aber Abtauchen macht die Sache nicht besser. Eine kopflose Kommunikation, bei der nicht einmal echte Betroffenheit erkennbar ist, schadet der Sache in der Öffentlichkeit. Und jetzt ohne Aufarbeitung einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen ist zynisch. Die Frage, ob man in so einem Laden noch guten Gewissens Mitglied sein kann, beantwortet sich damit fast von selbst.

Am 6. September erscheint die neue Ausgabe der Mitgliederzeitschrift “Einfach gut aussehen” – ob Schaller darin Farbe bekennt? Wird er sich weiter wegducken? Oder wird man auch dort zur Tagesordnung übergehen? Es gibt einiges zu erklären…

Freitag im SZ-Magazin…

…die Süddeutsche gibt sich experimentierfreudig:

Tolles Experiment. Gute Ideen. Aber warum gibt es junaio nur für iPhone und Android? Die will ich beide nicht geschenkt haben!

Nachgefragt: Was ist dran an mageleo?

Gegen die Übermacht der US-amerikanischen Suchmaschinenbetreiber hatten europäische oder gar deutsche Anbieter bislang keine Chance. Doch während Google hierzulande zunehmend in die Kritik gerät, will es eine kleine Softwareschmiede aus Wuppertal noch einmal wissen. Von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt ist im letzten Jahr die neue Suchmaschine mageleo an den Start gegangen. Schon kurze Zeit später wurde sie für den eco Internet Award des Verbands der Internetwirtschaft nominiert. Hat sie das Zeug, es mit den Platzhirschen aufzunehmen? Der Medienkanzler hat nachgefragt. CEO Stefan Orth, CTO Martin Schüßler und Christine Gerbershagen, bei der die PR von mageleo gut aufgehoben ist, haben geantwortet.

Der Markt der Suchmaschinen scheint längst aufgeteilt. Alle Versuche, gegen die übermächtige Konkurrenz aus den USA anzukommen, sind bisher gescheitert. Ihr habt es trotzdem gewagt. Warum?

Christine Gerbershagen: Wir haben uns lange geärgert, dass das Suchen im Internet so langweilig ist und vor allem nur Texte als Ergebnisliste angezeigt werden. Ebenso hat uns auch die fehlende Quellenauswahl gefehlt. Mit www.mageleo.de wollten wir dem Anwender einfach mehr bieten als das was der Marktführer anbietet. Der Anwender waren wir zunächst. Schnell haben wir erkannt, dass es daneben viele Externe gibt, die auch zu mageleo wechselten.

Was unterscheidet mageleo von anderen Suchmaschinen?

Christine Gerbershagen: Die Benutzeroberfläche mit den Vorschaufenstern spricht für sich selbst. Die Möglichkeit die Suchquellen zu reduzieren schützt vor viel Werbung beziehungsweise Shoppingergebnissen und lässt zugleich eine gezieltere Suche zu.

Aufgeräumt: Die Suchmaske von mageleo

Aufgeräumt: Die Suchmaske von mageleo

Wie sieht Euer Business Plan aus? Womit verdient Ihr Euer Geld?

Christine Gerbershagen: Wir sind ein deutsches Unternehmen, welches durch die Gesellschafter kapitalisiert wurde. Einnahmen erzielen wir dadurch, dass über unsere Suchergebnisse Waren gekauft werden oder aber Flüge gebucht werden.

Wird mageleo bald schon profitabel arbeiten?

Christine Gerbershagen: Ja, wir erwarten den Break Even zum 30.03.2011

Auf den ersten Blick ist die Suche mit mageleo sehr überzeugend und übersichtlich. Es fällt allerdings auf, dass es noch keine richtige News-Suche wie bei den Wettbewerbern gibt. Auch die Blog-Suche ist noch recht unscharf. Arbeitet Ihr dran?

Stefan Orth: Ja, wir arbeiten stetig daran, die Ergebnisse zu verbessern und diese in das mageleo-Prinzip zu integrieren.

Verfügt Ihr über eine eigene Suchtechnologie oder läuft da im Hintergrund was anderes?

Martin Schüßler: Wir greifen mit mageleo auf die unterschiedlichsten bestehenden Suchquellen im Internet zu, zum Beispiel auch auf die Suche über BOSS von Yahoo. Die einzelnen Suchprovider sind schon sehr lange im Geschäft und verstehen sich im Normalfall exzellent auf dieses Thema. Es wäre vermessen ihnen zu versuchen den Rang abzulaufen. Unser Ansatz ist es, diese verschiedenen Einzelergebnisse neu in Zusammenhang zu bringen und so das Suchergebnis für den Anwender qualitativ aufzuwerten.

Viele User rufen ihre Suchmaschinen heute über Add Ons im Browser auf. mageleo sucht man da bislang noch vergeblich. Wird sich daran bald etwas ändern?

Martin Schüßler: Diese Möglichkeit bietet mageleo schon seit langem. Auf der Seite von mageleo befindet sich am oberen rechten Rand der Link „mageleo Ihrem Browser hinzufügen“. Damit wird mageleo als Suchprovider in der Schnellsuche im Browser hinzugefügt.

Verratet Ihr, wie viele Suchanfragen Ihr durchschnittlich habt?

Christine Gerbershagen: Die Zahl der Suchanfragen schwankt sehr stark aufgrund der Urlaubszeiten, aber auch innerhalb der verschiedenen Wochentage. Derzeit haben wir noch circa 70% aller Suchanfragen Deutscher Abstammung und etwa 30% aus dem Ausland wie Dubai, USA und aus anderen Ländern.

Was suchen die Leute bei Euch am häufigsten? Gibt es eine Hitliste?

Stefan Orth: Wir unterscheiden uns da nicht von den anderen Suchmaschinen. Was am häufigsten gesucht wird, verschweigen wir dezent weil es nicht jugendfrei ist, ansonsten ist es recht gemischt, je nach aktuellen Ereignissen wie zum, Beispiel im Sport. Eine aktuelle Hitliste führen wir nicht.

Zum guten Schluss: Wie steht Ihr zum Thema Datenschutz? Seid Ihr die Guten?

Martin Schüßler: Die Frage können wir eindeutig mit JA beantworten. Wir speichern keine personenbezogenen Daten und erstellen auch kein Nutzerprofil von den mageleo-Benutzern.

Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt. Ich wünsche Euch viel Erfolg mit mageleo!

Wenn Ihr mal nicht mehr wisst, was Ihr googeln sollt…

Nicht ganz neu, aber immer noch ein Hit: I google myself. Geht aber auch mit anderen Suchmaschinen:

Don’t be evil 2.0 und die lila Dreiecke

So, jetzt kommen sie also bald ins Netz, die schönen bunten Straßenbilder. Alles im Kasten. Film ab.

Kam jetzt doch ein bisschen plötzlich. Informationelle Selbstbestimmung? Nein, lieber vollendete Tatsachen schaffen. Der Clou bei dem Ganzen: Jetzt kommt Google auch an die Daten der Offliner und Google-Verweigerer. Don’t be evil 2.0.

Nun darf man sich also  innerhalb der nächsten vier Wochen vom segensreichen Street View abmelden und Google Name und Anschrift frei Haus am besten auch noch digital abdrücken. Na super. O. K. – Opt-in Verfahren ist in dem Fall nicht praktikabel. Sagen sogar die Datenschützer.

Aber wie wäre es mit einer Offline-Variante? Vorschlag: Google wirft in einer Straße, die ins Netz gestellt werden soll sagen wir… Lila Dreiecke in jeden Briefkasten.  Die kann man in sein Fenster hängen und dann erscheint das Haus nicht in Street View…? Hätte man natürlich besser gleich vor dem großen Dreh gemacht. Aus Kosten- und Effizienzgründen. Shareholder Value eben. Obwohl – Kohle hat Google doch  genug, oder?

Ach neeh, Denkfehler. Dann weiß Google ja vielleicht gar nicht wer da wohnt!