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Monatsarchive: April 2011

Denglisch, Altgriechisch, Freutsch und Visimatenten

Allen Klagen zum trotz: Unsere Sprache befindet sich in einem unumkehrbaren Prozess der Veränderung. Immer mehr Begriffe werden im täglichen Sprachgebrauch durch englische Begriffe ersetzt. Es wird gecastet, gechattet und gechillt was das Zeug hält. Wir haben keine Besprechungen mehr, sondern Meetings. Wir haben keine Verabredung, sondern ein Date. “Denglisch” wird diese Sprache auch gerne genannt. Mitunter treibt sie seltsame Blüten. Andererseits trifft sie manchmal Nuancen, die unsere Alltagssprache so nicht hergibt. “Commitment” ist so ein Wort, für das es eigentlich kein richtig treffendes Pendant gibt. Trotzdem klingt es in unseren Ohren immer noch ungewohnt, wenn man “ein Commitment eingehen” oder sich gar “auf etwas committen” soll.

Andere Begriffe sind schon längst in unseren alltäglichen Sprachgebrauch eingegangen. Den Satz “Ich gehe Joggen” würde heute niemand mehr als Denglisch abtun. Und auch hier schließt der aus dem Englischen entlehnte Begriff eine Lücke. Denn das deutsche Wort “Laufen” kann sowohl einen schnellen Ausdauerlauf meinen, als auch gemütliches Gehen. Beim Joggen weiß jeder was gemeint ist. Turnvater Jahn hätte es trotzdem nicht verstanden. Und wie sagt man eigentlich “Interview” auf Deutsch?

Insbesondere die Fachsprache ist durchsetzt von Anglizismen. Marketiers, Medienschaffende, Unternehmensberater oder Informatiker beispielsweise kommen längst nicht mehr ohne aus. Oft ist es eine Frage der internationalen Verständigung und der Wahl einheitlicher, klar definierter Begrifflichkeiten. Aber die Fachsprache kann auch eine Art Code darstellen, durch den man seinesgleichen erkennt und Fremde ausschließen kann. Das Gleiche gilt übrigens auch für andere sprachliche Codes wie die Jugendsprache oder die Gaunersprache früherer Zeiten.

Aber zurück zum Denglisch. Was auf den ersten Blick wie moderne Verirrungen einer globalisierten Welt erscheint, ist genauer betrachtet kein so neues Phänomen. Die zunehmende Durchsetzung unserer Sprache mit aus dem Englischen entlehnten Begriffen beginnt an sich schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu der Zeit kommen erstmals neue Einflüsse durch die US-amerikanische Kultur nach Europa. Auf die “Roaring Twenties” folgen die unseligen Jahre barbarischer Deutschtümelei, in denen die völkische Kultur und Sprache nach Kräften von solchen undeutschen Einflüssen gesäubert wurde. Nach dem 2. Weltkrieg kamen der Rock’n Roll und die Deutsch Amerikanische Freundschaft. Schon längst ist es selbstverständlich, dass englischsprachige “Songs” (nicht Lieder!) Unsere Hitparaden (müsste es nicht Trefferparaden heißen?) dominieren.

Deutsch bis in die Knochen ist unsere Sprache allerdings nie gewesen. Kulturelle und wissenschaftliche Entwicklungen, aber auch kriegerische Ereignisse haben von je her auf das Deutsche abgefärbt. Unser Sprachgebrauch ist durchsetzt von Begriffen aus dem Altgriechischen, Latein und Französisch. Schon im Mittelalter kam mit der angehenden deutschen Kaiserin Theophanou die Essenz dessen über die Alpen, was neben der Bibel bis heute die geistigen Grundlagen des so genannten christlichen Abendlandes bildet. Im Gepäck ihres Gefolges kamen unzählige Schriften auf Altgriechisch, wie die von Aristoteles, und in anderen Sprachen.

Griechisch und Latein wurden bald zu Gelehrtensprachen. Auch sie waren die Basis für einen Code, den nur Eingeweihte beherrschten. Bis heute prägen sie den Sprachgebrauch naturwissenschaftlicher, medizinischer und anderer Fakultäten. Doch viele Begriffe sind auch in unsere Alltagssprache übergegangen, wo sie mitunter ebenso sinnentstellt verwendet werden wie so manche Stilblüte im Denglischen. Man denke nur daran, für was der altehrwürdige Begriff der Philosophie heute alles herhalten muss. Philosophia, die Liebe zu Wissen und Weisheit, ist weit mehr, als der tägliche Sprachgebrauch uns glauben macht.

In der Zeit der Aufklärung kam Französisch in Mode. Es wurde am Hofe gesprochen, zum Beispiel bei Friedrich dem Großen. Deutsch galt als unfein. Aber auch die Sprache des einfachen Volkes adaptierte vieles aus dem Französischen. In Köln erzählt man sich bis heute viele aufschlussreiche Geschichten aus der Zeit der französischen Besatzung unter Napoleon. Aus dieser Zeit soll der Begriff “Visimatenten” stammen. Die schmucken französischen Soldaten, die auf dem Neumarkt campierten (ist Camping Denglisch?) Haben wohl immer wieder junge, gut aussehende Kölnerinnen gefragt: “Vous voulez visité ma tente?” (Wollen Sie mein Zelt besuchen?) Daraus haben besorgte Väter gemacht: “Mädchen, keine Visimatenten machen, hörst Du?” Das war dann wohl Dranzösisch. Oder Freutsch. Heute gehört der Begriff an Rhein und Ruhr zum festen Sprachgebrauch für Unsinn oder Dummheiten. Die breit ausgebauten Straßen, über die Napoleons Truppen marschierten, nennt man übrigens bis heute Chausseen.

Niemand weiß, wie lange sich Englisch als Weltsprache halten wird. Unsere Sprache hat schon einige Welt- und Gelehrtensprachen überdauert und sich aus ihnen bedient. So manche gilt heute als tote Sprache. Vielleicht sprechen wir schon bald Dinesisch. Oder Indeutsch. Sprache beinhaltet Wechselwirkung und Veränderung. Oder nicht?

Partnerseiten: Mitmachen erwünscht!

Werbefluch: Stellt fest, dass ein Bild, das Aufmerksamkeit erregen müsste gar nicht so viel Aufmerksamkeit erregt und erregt damit Aufmerksamkeit...

Mit diesem Bild und einer provokanten Headline (Hilfe!!! Die Frau ist nackt!) zog werbefluch.at gleich richtig Traffic auf sein Blog. Glückwunsch! Jetzt sind wir Kooperationspartner...

Der aufmerksame Leser findet jetzt rechts in der Sidebar ganz was Neues: Partnerseiten.

Dahinter steckt die Idee, dass Blogger, die verwandte Themen verfolgen, sich ein bisschen enger vernetzen. Von jeder Partnerseite werden die drei letzten Beiträge als RSS-Feed angezeigt. Wir sind alle keine Alphatiere, werden es wohl auch nie sein. Aber wir haben Spaß an der Sache. Das reicht. Wer mag, kann jetzt protestieren.

Ins Rollen gebracht haben das Ganze die Jungs vom Werbefluch. Die haben mit einer provokanten Headline direkt ziemlich abgeräumt. Und dann ausgerechnet hier nach einer Kooperation angefragt. Da mach ich gerne mit und lade auch andere ein.

Wer dabei sein will und noch keine Mail von mir bekommen hat, einfach hier einen Kommentar hinterlassen.

Wir freuen uns auf viele Kollegen, die mitmachen wollen…

O-Ton: Wir sind die Digitale Gesellschaft!

Motiv aus der ersten Kampagne der Digitalen Gesellschaft

Diese Woche ist auf der re:publica die “Digitale Gesellschaft” aus der Taufe gehoben worden. Toller Name. Und der ist Programm. Natürlich haben die auch ein Blog. Hier der erste Post vom 13.04. im O-Ton:

Wir sind die Digitale Gesellschaft!

Wir leben mit dem Netz, wir leben teils im Netz. Für uns ist das Netz als Teil des Alltags nicht mehr wegzudenken. Es hat das Leben angenehmer gemacht, es hat viele Dinge vereinfacht und ist für uns eines: wichtig. Für uns ist das Internet als Teil unserer Lebenswirklichkeit eine überaus ernste Angelegenheit, eine, die nicht für politischen Aktionismus oder Schnellschüsse missbraucht werden darf.

Das Netz hält der Gesellschaft an vielen Stellen einen Spiegel vor. Kinderpornografie, Terrorismus und Datenschutzprobleme gibt es nicht erst, seit sich Politiker vorgeblich mit dem Netz beschäftigen. Diese Probleme sind real. Sie sind kein Netzproblem.

Chancen begreifen
Andere so genannte Probleme sind in Wahrheit Chancen. Früher konnte man nur mit qualitativen Verlusten Bücher, Musik und Filme kopieren. Heute geht das verlustfrei. Früher hätten wir Lagerhallen mieten müssen, um die Schallplatten hören zu können, die wir heute auf kleinen Geräten mit uns herumtragen können. Das alles sind wunderbare Dinge. Wir können uns unsere Freunde aussuchen, statt sie nur im Dorf haben zu können. Wir können mit Menschen am anderen Ende der Welt sprechen, ohne dass wir Millionen an die Bundespost für Verbindungsgebühren bezahlen müssen. Das Netz macht die Welt kleiner, fördert den Kontakt mit und das Verständnis für andere Kulturkreise. Und es schafft die Möglichkeit, Wissen einfach zu erwerben. Das alles ist wunderbar. Das alles wollen wir nicht nur erhalten, wir wollen es weiter ausbauen. Das ist unser Ziel.

Aktiv werden
Deshalb wollen zusammen mit euch aktiv zu werden. Für das Netz. Für das Leben. Für uns alle. Wir kämpfen mit euch gemeinsam gegen einseitige Sicherheits- und Urheberrechtspolitik, für Transparenz und Fairness, gegen Hinterzimmerlobbyismus und für Nutzerrechte. Wir wollen Grund- und Freiheitsrechte in der digitalen Welt verteidigen und ausbauen. Wir beobachten, was in der Bundesrepublik und in Europa netzpolitisch passiert. Wir wollen starke Kampagnen machen und etwas verändern. Dafür brauchen wir eure Unterstützung.

In Politik und Wirtschaft wird zu wenig auf die Nutzerinnen und Nutzer geachtet. Das wollen wir ändern. Wir wollen nicht nur Probleme benennen, sondern auch Lösungen aufzeigen. Dafür setzen wir auf eure Ideen, eure Kreativität und das Engagement, das in den letzten Jahren schon so einiges bewegt hat.

Ob finanziell, ob mit euren Fähigkeiten oder mit eurer Zeit: setzt euch mit uns gemeinsam für eine zukunftsfähige und lebenswerte Netzpolitik ein. Die digitale Gesellschaft, das sind wir alle zusammen. Lasst sie uns gemeinsam gestalten!

Tony, die Rampensau

Die Tony Mono Show: Es war ein unglaublicher Abend mit der wahrscheinlich größten Rampensau des Jahrhunderts. Und das in Dinslaken! So was hat es hier noch nicht gegeben.

Danke Tony Mono und Annemarie. Lasst Euch mal wieder hier blicken.

Vorfreude ist die schönste Freude

Nur noch anderthalb Jahre! Dann ist Präsidentenwahl in den USA. Einer läuft sich schon mal warm. Obama versammelt seine Fans um sich und startet in den Wahlkampf. Und alle dürfen mitmachen. Die Medienmaschine im Web rollt langsam an. Der Titel des Lauch-Videos: “It Begins with Us”.

Die Homepage verbreitet Aufbruchstimmung. Da heißt es zupackend: “This campaign is just kicking off. We’re opening up offices, unpacking boxes, and starting a conversation with supporters like you to help shape our path to victory. 2012 begins now, and this is where you say you’re in.”

2012 beginnt also jetzt. Vorfreude ist eben die schönste Freude. Good Luck. Mr. President!