Kanzlerblog

\\Zeitgeschehen\\ Medien\\ Netzkultur\\

Monatsarchive: Oktober 2011

Munka heißt Arbeit – Impressionen aus Budzillustan

Mit Ihrem Oriental Swing Punk ist die Berliner Band BudZillus (Sprich: Bazillus) längst über die Grenzen der Bundeshauptstadt hinaus zu einem Geheimtipp avanciert. Ihr neues Album ist gerade im Kasten. Letztes Jahr sind sie zum ersten Mal durch New York getourt und vor ein paar Wochen haben sie zwei Konzerte in Moskau gegeben. Auch in Ungarn wächst ihre Fangemeinde. Der Medienkanzler sprach mit BudZillus über ihre Musik, das Leben als Musiker, selbst gebaute Instrumente und natürlich über das neue Album

Budzillus – wer ist das?

Thomas: Unsere aktuelle Besetzung ist Robert Kondorosi mit Gesang, Tenorgitarre, Gitarre und Banjo; Kristian Zepplin am Kontrabassbanjo; Stefan Wolf spielt Orgel, Flöte und Harmonica; Eric d’Urso ist unser Drummer und ich bin Thomas Prestin, zuständig für Saxophon und Klarinette.

Ihr nennt Eure Musikrichtung „Oriental Swing Punk“. Was kann man sich darunter vorstellen?

Zepp (Krisitan Zeppelin): Wir kommen ursprünglich vom Swing. Zumindest war das ein sehr starkes Element, als die Band 2005 in ihrer früheren Besetzung gestartet ist. Später hat sich unser Sound ziemlich verändert, oder besser weiterentwickelt. 2008 ist Eric als Drummer dazu gestoßen und Stefan am Keyboard. 2010 kam dann noch Thomas mit seinem Saxophon dazu. Er ist unser einziger studierter Musiker und kommt ursprünglich vom Jazz. Er hat aber auch mit Klezmer-Elementen das orientalische weiter verstärkt. Punk steht vor allem für das Do-it-yourself-Element. Das prägt unsere Musik ebenso wie unsere Lebensweise. Das ist uns sehr wichtig.

Eure Instrumente machen teilweise einen kuriosen Eindruck. Stimmt es, dass Ihr die selber baut?

Robert: Professionelle Instrumente kosten einen Haufen Geld. Die können wir uns nicht leisten. Da packen wir lieber selbst an. Außerdem: Wo bekommst Du heute noch eine Tenorgitarre her? Die war in den zwanziger Jahren populär, als die Gitarre angesagt war und die Banjospieler auch so was wollten. Heute kriegst Du die nicht mehr. Da ist es gut, wenn man so was selber hinkriegt. Und das Kontrabassbanjo von Zepp ist ein echter Hingucker mit nem irren Sound. Kriegst Du nicht zu kaufen. Er hätte es gerne selber gebaut. Aber er ist Steinmetz und so’n Ding aus Granit mit auf Tour zu nehmen… Ich hab gerne mit angepackt.

Beeindruckend: Zepp am selbst gebauten Kontrabassbanjo

Beeindruckend: Zepp am selbst gebauten Kontrabassbanjo

Ist auch das Keyboard selbst gebaut? Es sieht jedenfalls so aus…

Stefan: Wir proben in einem alten Funkhaus in Ost-Berlin. Da lag ne Menge gutes Holz rum. Daraus haben wir das Gehäuse gebaut. Oben drauf ist ein Midi-Keyboard mit normalem Computerzugang. Da drunter ein Laptop. Ist voll günstig, effektiv und Du brauchst es nicht mal zu verpacken. Die Kiste ist gleich drum herum. Praktisch.

Wenn man auf Eure Facebook Seite guckt sieht man, dass Ihr verdammt viel unterwegs seid. Wie kommt Ihr an die Gigs?

Thomas: In Berlin sind wir mittlerweile ziemlich bekannt. Da ist das ein Selbstläufer. Es gibt hier so vier bis fünf Bands, die einen vergleichbaren Sound machen und da wird man schon mal etwas rumgereicht. Innerhalb Deutschlands haben wir auch schon einen Haufen guter Kontakte. Seit drei Jahren haben wir auch eine Booking-Agentur, die uns Auftritte vermittelt. Außerdem geht es immer mehr ins Ausland. Da ergibt sich manchmal eins aus dem anderen…

Ihr wart gerade erst in Moskau. Wie war das und wie kam es dazu?

Eric: Das ist ganz witzig. Letztes Jahr waren wir in New York auf Tour. Als die „Funny Germans“ mit ihren selbst gebauten Instrumenten haben wir da ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt. Wir hatten sieben Auftritte an 11 Tagen. Hat ne Menge Spaß gemacht. Und wir haben jemanden aus der russischen Community kennen gelernt, der uns später nach Moskau empfohlen hat. Viel gesehen haben wir nicht von der Stadt, waren mal kurz auf dem Roten Platz und haben uns ein bisschen umgesehen. Sonst waren da nur die Auftritte. Aber da ging es richtig ab.

BudZillus 2010 in New York

Wenn man Euch so hört denkt man, das ist ein Sound, der entsteht nur in Berlin. Seid Ihr echte Berliner Jungs?

Thomas: Berlin ist tatsächlich ein Pflaster, wo so etwas entstehen kann. Da haben wir uns gesucht und gefunden. Aber ursprünglich kommt keiner von uns von dort. Eric ist aus Frankfurt, alle anderen aus Mecklenburg-Vorpommern. Aber tatsächlich hat Berlin uns alle angezogen. Es gibt hier eine phantasiereiche Szene, die den Nährboden für unseren Sound bildet.

BudZillus ist ein ungewöhnlicher Name. Und wer ihn liest ohne Euch zu kennen, spricht ihn fast falsch aus. Wie seid Ihr darauf gekommen?

Eric: Die Keimzelle der Band hatte früher den Namen „Budzillus und die Antikörper“. Davon sind heute nur noch Robert und Zepp übrig. Irgendwann haben wir etwas Prägnanteres gesucht. Zepp ist ein großer Fan von Bud Spencer. Das ist ein Künstlername, eigentlich heißt der Carlo Pedersoli. Aus seinem Lieblingsbier Budweiser oder kurz Bud und seinem Lieblingsschauspieler Spencer Tracy hat er Bud Spencer gemacht. irgendwann haben wir uns der Antikörper entledigt – ist kürzer und prägnanter.

Munka Munka“ ist der Titel eines Eurer Songs. Ist das aus einer orientalischen Sprache entnommen? Was heißt das?

Robert: Munka heißt Arbeit. Das ist ungarisch. Unsere Fans in Ungarn freuen sich natürlich immer, wenn wir auch mal was in ihrer Sprache singen. Mein Vater kommt aus Ungarn und ich bin zweisprachig aufgewachsen. Darum haben wir ab und zu mal einen Titel auf Ungarisch im Programm.

Wenn Ihr Eure Instrumente aus Geldmangel selber baut, werdet Ihr sicher nicht reich mit Eurer Musik. Könnt Ihr denn davon leben oder wie schlagt Ihr Euch sonst so durch?

Eric: Na ja, bis jetzt braucht es immer noch den einen oder anderen Nebenerwerb. Manche Auftritte werfen ein bisschen was ab, andere decken gerade mal die Reisekosten. So war das zum Beispiel mit unserer Tour durch New York. Aber natürlich hilft so was auch weiter. Vieles wird leichter, wenn man mal im Big Apple gespielt hat. Aber es geht bei allen immer mehr in Richtung Musik. Wir erhoffen uns viel von unserem neuen Album. Es heisst: “Auf Gedeih & Verderb”. Da steckt ein Haufen Arbeit drin und wir sind uns alle sicher: Es ist verdammt gut! Record Release Party ist am 05.11.2011. Im Februar 2012 ist es dann im Handel erhältlich. Also, greift zu!

Hey Jungs. Das klingt nach viel Munka Munka und ‘ner Menge Spaß. Vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit genommen habt und viel Erfolg mit dem neuen Album!

 

Hier geht es zur Website von BudZillus: http://www.budzillus.de/

WIRED: bitte weitermachen!

Liebe WIRED-Redaktion,

ich gebe es ja zu: Ich wollte kein Supplement der GQ kaufen und habe den Erwerb Eures Debütalbums  trotz ungeduldig freudiger Erwartung bis zum Erscheinen der  Einzelausgabe hinausgezögert. Das kann man mir als Nickeligkeit auslegen. Aber ich finde, Ihr habt einfach eine eigene Ausgabe verdient.

Diese Woche war es endlich so weit. Ich konnte schließlich doch noch einen Zeitschriftenhandel finden, der die erste deutsche Ausgabe der WIRED hatte. Mittlerweile gibt es ja schon eine Menge Rezensionen. Aber das hatte ich dann doch nicht erwartet. Das ganze Getrommel im Vorfeld – reines Understatement. Ein großartiges Magazin habt Ihr da geschaffen. Ein Kulturgut. Und das soll uns bitte, bitte lange erhalten bleiben!

Ich habe das Heft aufgesogen bis zum letzten Buchstaben. Diese wundervolle Mischung aus Technik, Wirtschaft und Lifestyle. Das phantastische Layout. Einfach stimulierend. Die Leichtigkeit, mit der das Magazin daherkommt. Und dann: Der Inhalt, die Qualität der Beiträge, die vielen kleinen Feinheiten die durchblicken lassen, dass da jemand ein ganz neues Formt geschaffen hat. Zum Beispiel, wenn einzelne Artikel ein so eigenständiges Layout bekommen, dass sogar die Seitenzahl auf eine andere Position wechselt. Und trotzdem fügt sich alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Jeder einzelne Beitrag ist lesenswert, und alle Autoren scheinen zur Höchstform aufzulaufen. Internet-Ikonen wie Jeff Jarvis und Gunter Dueck zeigen sich von ihrer besten Seite: Jarvis’ Beitrag über Johannes Gutenberg als Schutzpatron des Silicon Valley lässt ahnen, welche Bewegung die Erfindung des Buchdrucks seinerzeit in die Gesellschaft gebracht hat – und welche historischen Umbrüche wir gerade dank der Internetrevolution erleben und noch erleben werden. Gunter Dueck findet ganz neue Antworten auf die Frage, ob man alles wissen muss oder ob es ausreicht,  zu wissen wo man suchen muss. Und wer möchte ihm nicht zustimmen wenn er sagt, dass es nicht reicht viele Rezepte zu kennen, um ein guter Koch zu sein.

Viele andere großartige Beiträge finden sich in dem Magazin. Richard Gutjahr berichtet über seine Erfahrungen in Israel und zeichnet ein Bild, das wir so aus den Medien noch nicht kennen. Ein Bericht verführt zu einer Reise in die dunklen Tiefen des Internets. Im Stil eins Wimmelbilds wird die Technik und Logistik des Oktoberfests erklärt und, und, und. Ja, und dann gibt es natürlich die Titelgeschichte über deutsche Geeks und Berliner Startups, durch die unsere Bundeshauptstadt sich langsam zu einem europäischen Silicon Valley gemausert hat. Hat man ja schon drüber gelesen – aber noch nie so spannend, eingängig  und lebensnah.

Kurz und bündig: Ein einziges Lesevergnügen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass es weitergeht. Eine deutsche WIRED ist in dieser Form eine echte Bereicherung für unsere Medienlandschaft. Und das bestimmt nicht nur als App. Also, liebe WIRED-Redaktion: Bitte, bitte weitermachen! Ich nehm sofort ein Abo.

Wir sind Literaturpapst!

„Gräfflicheff Buch! Guttäff Buch!“  So oder ähnlich lauteten weiland die Kritiken von Literaturpapst Marcel Reich-Rainicki. Meinungsstark vorgetragen und prägend für die öffentliche Wahrnehmung eines literarischen Produkts. Auch das ändert sich im Web 2.0-Zeitalter.  Heute kann jeder ein bisschen Literaturpapst sein. Na ja, Literaturmissionar geht auch. Jeder nach seiner Fasson.

Möglich macht das die neue Macht im Kulturbetrieb „Blogg Dein Buch“. Hier können sich Blogger um Rezensionsexemplare bewerben und ihre eigene Kritik verfassen.

Der Medienkanzler hat es versucht und gleich den Zuschlag bekommen für „Eine dunkle und GRIMMIGE Geschichte“ von Adam Gidwitz Hugh und Dandrade.

Die Lieferung sollte in den nächsten Tagen eintreffen. Nach einer aufmerksamen Lektüre wird es dann hier im Blog demnächst eine Rezension geben. Gutäff Buch oder Gräfflicheff Buch? Wir werden sehen. Ich freu mich drauf!

Goldener Oktober findet vorläufig nicht statt. Isso.

“Ein goldener Oktober findet vorläufig nicht statt. Isso.” Sagt Wettergott Jörg Kachemlann. Die Medien reden Stuss, meint er. Also morgen schön nochmal den Feiertag ausnutzen und danach in Demut üben:

Kachelmannwetter gibt  jetzt übrigens auch auf Facebook: http://www.facebook.com/pages/Kachelmannwetter/206573862743035