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Schlagwort-Archiv: Journalismus

Pfui Teufel, ZDF!

Liebes ZDF,

ich bin eigentlich ein Fan von öffentlich-rechtlichem Rundfunk. Ich zahle meinen Rundfunkbeitrag aus Überzeugung, auch wenn ich nicht behaupten kann, dass ich es gern tue. Ich weiß auch, dass Ihr nicht auf der Insel der Glückseligen lebt und nicht alles Gold ist, was glänzt. Aber was Ihr Euch heute gelappt habt, ist entweder völlige Unfähigkeit bei der journalistischen Recherche, oder vorsätzliche Verbrauchertäuschung.

In der zdfzeit macht Ihr heute unter dem Titel “Wie gut sind Fertiggerichte?” einen ungleichen Wettbewerb von Fertigküche gegen selbst gekocht. Klar, auch ich nutze Fertiggerichte und tue den Teufel sie zu verteufeln. Ihr vergleicht aber Äpfel mit Birnen und zieht daraus falsche Schlüsse. Wenn es schon kein Vorsatz ist: Jeder Amateurfilmer hätte das besser hinbekommen.

Fertigkost kommt bei Euch alles in allem ganz gut weg. Vitamingehalt OK. Die Zusatzstoffe stören niemanden, erklärt der Wissenschaftlicher von einem privaten Institut. Die sind ja alle von der EU zugelassen. Ergebnis: Fertigprodukte sind in Punkto Gesundheit nicht schlechter als selbst gekocht. Ich wette, die Kunden des Institutes kommen vor allem aus der Industrie. Lasse mich gern vom Gegenteil überzeugen.

Das ist schon starker Tobak, wie das Thema Zusatzstoffe einfach vom Tisch gewischt wird. Zumal die Sendung sich vermeintlich kritisch gibt. Gleichzeitig wird kräftig Werbung für das Institut gemacht, inklusive Firmenlogo. Zufall? Es kommt noch viel offensichtlicher. Zunächst lässt angeblich nur ein kleiner Hersteller aus Sachsen einen Blick in die Produktion zu. Etliche andere haben demzufolge  abgelehnt. Schließlich findet sich nach vermeintlich langer, schwieriger Recherche doch noch ein kleines, unbekanntes Unternehmen aus Bremerhaven: Der Branchenriese Frosta. Der ist nach eigenen Angaben mit zirka 25 Prozent Marktanteil Marktführer für Tiefkühl-Komplettgerichte in Deutschland. Es ist natürlich dessen gutes Recht, PR zu machen, und die Produkte finde ich grundsätzlich auch OK. Aber das, was da unter dem Deckmantel der Verbraucheraufklärung präsentiert wird, grenzt schon an Propaganda. Nich von Frosta, sondern von der Art und Weise, wie Ihr das inszeniert.

Dass Formschinken und Chicken Nuggets im Test durchfallen, gibt den Anschein des kritischen Journalismus. Wirklich überzeugend ist das angesichts all der handwerklichen Fehler (um es mal vorsichtig auszudrücken) nicht.

Liebes ZDF, die lange aufwändige Recherche nimmt Euch kein halbwegs informierter Verbraucher ab. Für wie blöd haltet Ihr uns eigentlich? Das kann selbst dem talentfreiseten Volontär nicht einfallen.

Der Gipfel ist aber die vermeintliche Ökobilanz: Eine Familie soll Hühnerfrikasse selber kochen und danach ein Tiefkühlgericht aufwärmen. Dabei wird der Stromverbrauch gemessen. Oh Wunder: Das vorgekochte Tiefkühlgericht gewinnt. Und man stellt fest: Bei der Ökobilanz ist Fertigkost klar im Vorteil. Die Herkunft der Zutaten, die Produktion der Rohstoffe und die Transportwege der Ware sowie ihrer Bestandteile bleiben unberücksichtigt. Auch der Energieaufwand für industrielle Produktion und Vorkochen der Ware wird außer Acht gelassen. Das soll eine Ökobilanz sein? Nein, das ist plumpe Verbrauchertäuschung.

Liebes ZDF, ich bin in meinem Glauben an das Öffentlich-Rechtliche erschüttert. Künftig werde ich mich zurückhalten, wenn über die Rundfunkabgabe diskutiert wird. Und ich frage mich, warum ich die noch entrichten soll. Das machen doch schon Frosta und Co. Und wer weiß, wer sonst noch? Oder war es doch einfach nur Unwissenheit, Unfähigkeit und mangelnde journalistische Sorgfalt? Dann bezahlen wir für Dilletantismus. Pfui, Teufel.

P. S.: Diesmal keine Illustrationen, Will mir ja keinen Ärger einhandeln.

Potemkinsche Zeitungen oder: ein Verlag schafft sich ab

Die WAZ-Mediengruppe ist schon lange schlecht beraten. Irgendwer hat den Verantwortlichen eingeflüstert, dass Qualität und Vielfalt ihren Preis nicht wert sind und dass sie deshalb ab sofort nur noch Platz in Sonntagsreden haben. Redaktionen werden gleichgeschaltet, etablierte Zeitungsmarken auch. derwesten.de war der erste lustvolle Schritt in den Untergang. Bald bleibt nur noch Fassade. Das ist konsequenter Irrsinn.

Bitte liebe WAZ-Gruppe, schlimm genug was Ihr mit Euren Redakteuren macht. Aber glaubt Ihr ernsthaft, dass bald noch irgendjemand eure Potemkinschen Zeitungen kauft???

Erschütterndes, nachzulesen auf kress.de

Zwangsbeglückung

BILD liebt Berlin, Plane (Quelle: Axel Springer Verlag)

Am 23. Juni soll die “BILD” an alle deutschen Haushalte ausgeliefert werden. So etwas nennt man dann wohl Volkszeitung. Auch „Werbeverweigerer“ dürfen sich über die Lektüre freuen. Das Ganze geschieht aus Anlass des 60. Geburtstags des Boulevardblattes aus dem Springer Verlag –  nicht ganz uneigennützig. Denn das Blatt feiert sich nicht nur selbst, sondern erhofft sich auch satte Werbeeinnahmen. Eine ganzseitige Anzeige soll vier Millionen Euro kosten.

Nicht alle sind von dem Angebot begeistert. Unter dem Trending Topic „Briefkasten“ machen sich findige Mitbürger auf Twitter Gedanken, wie sie wohl dieser Zwangsbeglückung entgehen können. Da ist dann auch gerne schon mal von „Zunageln“ die Rede.

„Timeo Danaos et dona ferentes“, sagte schon der Dichter Vergil. Altphilologen und Asterixleser wissen was das heißt: Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen. „Danaer“ war einer der Namen, den das Heer der griechischen Stämme vor Troja trug. Und wie die Sache mit dem Trojanischen Pferd ausging, ist ja hinreichend bekannt…