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Schlagwort-Archiv: Microsoft

Microsoft gratuliert Linux – ja und?

Zum 20. Geburtstag des freien Betriebssystems Linux hat die Linux Foundation dazu aufgerufen, Glückwunsch-Videos einzureichen. Auch der langjährige erbitterte Wettbewerber Microsoft hat sich in die Schar der Gratulanten eingereiht. Eigentlich eine nette Geste. Aber so richtig überzeugend wirkt es nicht.

Dank Googles Handy-Betriebssystem Android, das auf Linux basiert,  verdient Microsoft heute einen Haufen Geld mit Linux – indirekt. Das „Microsoft and Linux“ am Schluss wirkt aber dann doch eher anbiedernd als aufrichtig…

Mountain View, Redmond, Wuppertal?

Der Kampf der Suchmaschinen scheint weitgehend entschieden. Google ist die Spinne im Netz. Kein Weg führt dran vorbei. Wer Google misstraut, kann vielleicht noch auf Bing ausweichen. Wenn er oder sie Microsoft traut. OK, als Macht im Netz nicht so bedrohlich wie Google. Liefert dafür aber auch immer noch hundsmiese Suchergebnisse. Fireball nutzt kein Mensch mehr,  gibt es aber erstaunlicherweise immer noch. Viel zu langsam.  Cuil? Ein Griff ins Klo. WolframAlpha ist nicht wirklich eine Suchmaschine wie man sie erwartet. Und der Versuch, mit Accona ein Gegengewicht aufzubauen ist trotz guter Suchergebnisse und sonstigen Features  kläglich gescheitert. Ach ja, und dann ist da noch Yahoo. Aber Yahoo sucht nicht mehr mit Yahoo sondern mit Bing im Hintergrund.

Bleibt also nur noch googeln, oder? Erfreulicherweise nicht! Denn während Google und Microsoft von Mountain View und Redmond aus über das Wissen im Netz herrschen, regt sich Widerstand in Wuppertal. Von dort kommt die neue Suchmaschine mageleo. Ein erster Test hat gezeigt: Respekt! Hervorragende Trefferliste, kann sich mit Google messen. Und Bing bleibt weit dahinter zurück. Dabei ist die Seite auch unter ästhetischen Gesichtspunkten nicht zu verachten – sie sieht richtig gut aus.

Doch den Machern von mageleo geht es um mehr als nur die Trefferliste. Sie wollen eine neue Generation von Suchmaschinen entwickeln, die den Nutzern ein vollständiges Informationscockpit liefert. Und das scheint gelungen. Man findet sich auf Anhieb gut zurecht. Die Informationen sind wesentlich klarer aufbereitet als auf der minimalistischen Google-Oberfläche. Von Bing oder Yahoo ganz zu schweigen. Aber lassen wir mageleo doch einmal selbst zu Wort kommen: „Das Ziel von ‘mageleo’ ist es seinen Nutzern nicht nur eine Trefferliste anzuzeigen, sondern durch die Übersichtlichkeit und vielen persönlichen Einstellungsoptionen ‘mageleo’ als persönliche Suchmaschine zu gestalten und als Informationscockpit eingesetzt zu werden. Getreu dem ‘mageleo’-Motto: Suchen, Navigieren, Entdecken profitiert der Nutzer von neuen Möglichkeiten seine Suche effizienter und komfortabler zu gestalten, Informationen nach dem eigenen Bedarf zu personalisieren, sowie auf weitere interessante Ergebnisse zu stoßen, die bei einer klassischen Suchweise unentdeckt geblieben wären.“

Ich finde, das ist nicht zu viel versprochen. Ich suche jedenfalls ab sofort mit Technologie aus Wuppertal! Tschüss Google. Ihr hört nochmal von mir wenn ich meinen Street View Widerspruch einlege.

Linux für Einsteiger auf SPIEGEL-ONLINE

c't kompakt 01/2010 aus dem Heise Zeitschriften Verlag

Aufgrund der Dominanz von Microsoft – auch in der öffentlichen Wahrnehmung – haben sich bisher die wenigsten PC-Nutzer ernsthaft mit den Möglichkeiten von Linux auseinandergesetzt. Open Source hat meist nur da eine Chance, wo es auf Windows läuft. Wäre es anders, wenn es in den Medien einmal einen Linux-Hype gegeben hätte? So richtig haben sich da bisher nur wenige rangetraut. Der Mainstream berichtet kaum und Nischenblätter wie Linux Magazin oder Linux User richten sich im Wesentlichen an Profis oder ambitionierte Nutzer, die ihre Entscheidung bereits getroffen haben.

Ich habe es nie richtig verstanden, warum Linux bei Privatanwendern und kleinen Unternehmen noch keinen Platz erobert hat. Sicher gibt es Hemmschwellen beim Umstieg. Aber vor allem ist es doch immer noch das Image, dass Linux ein System für Bastler, Marktverweigerer und Vegetarier ist. Und das ist Unsinn. Ganz sicher. Die Massenmedien haben bislang wenig dazu beigetragen, dieses Image gerade zu rücken.

Seit etwa zehn Jahren nutze ich jetzt Linux. Seit mindestens 5 Jahren ist mein Rechner Windows-freie Zone und mir fehlt nichts. Im Gegenteil: Wenn ich anderswo mit Windows-Neu Installationen konfrontiert werde, staune ich immer wieder wie viel einfacher es ist, ein komplett neues Linux-System mit allem was dazu gehört aufzusetzen. Die Hardware-Unterstützung ist (von Ausnahmen abgesehen) mittlerweile kaum noch ein Thema. Die Anwendungen sind ausgereift und benutzerfreundlich. Da man Linux problemlos als Zweitsystem installieren kann, lässt sich der Übergang sanft gestalten. Natürlich kann man auch einfach eine Experimentier-Umgebung aufbauen oder mehrere Systeme parallel testen.

Das neue c’t kompakt Linux aus dem Heise Zeitschriften Verlag hat erfreulicherweise die Netzwelt-Redaktion von Spiegel online überzeugt. Sie zitiert einen wunderbaren und leicht verständlichen Artikel von Andrea Müller, der Lust auf den Einstieg macht. Es wäre wünschenswert, wenn die Mainstream-Medien diesem Beispiel folgen und dem Thema künftig  mehr Aufmerksamkeit schenken würden…

Lanze für Google

Ich hätte ja nicht gedacht, dass ich hier einmal eine Lanze für Google in Sachen Privatsphäre brechen würde. Doch, mach ich jetzt.

Wer einen Blog betreibt, stellt sich früher oder später die Frage, wer das alles lesen soll oder ob das einfach nur eine digitale Ablage für die eigenen Gedanken ist. Um die Sichtbarkeit in den Suchmaschinen zu steigern, bieten die verschiedenen Anbieter ein Toolset für Webmaster. Wer sich da zum ersten Mal mit befasst, kann Lustiges erleben.

Ob Google Webmaster Tools, Yahoo Site Explorer oder Bing Webmaster Center -  bei allen Anbietern muss man erst einmal ein Konto erstellen. Ich habe mir einmal den Spaß erlaubt,  die Bezeichnung des Tools jeweils in die entsprechende Suchmaschine einzugeben. Microsoft lässt dabei tief blicken: Während Google und Yahoo ihr Tool jeweils an erster Stelle unter eigener Domain listen, kommen bei Bing neun Treffer von Seiten, die darüber schreiben, bevor Bing selber auf Platz zehn gelistet wird.

Aber es geht um Privatsphäre. Bei Google reicht eine E-Mail Adresse und ein Passwort für die Registrierung. Dann hat man so ein Google-Konto. Und kann loslegen. Yahoo und Bing sind verdammt neugierig. Ohne Name, Vorname, Alter, Geburtsdatum (bei Bing immerhin nur Geburtsjahr) und Geschlecht geht da gar nichts. Und Bing meint auch noch, es wäre doch toll, darüber wäre man identifizierbar und alle guten Freunde könnten einen finden. Na super.

Jetzt kann man natürlich noch einwenden, dass Google das alles gar nicht nötig hat. Die wissen eh schon alles über mich. Auf jeden Fall hab ich bei denen jetzt ein Konto.

Wir Junkies

Wir sind hungrig. Süchtig. Immer auf der Jagd nach der Breaking News. Immer auf der Suche nach dem Kick. Das ist der Ursprung des Zeitungs- und Nachrichtenwesens. Und es macht uns manipulierbar. Im Internetzeitalter können die Zeitungen unsere Sucht nur noch bedingt befriedigen. Sie können interpretieren. Konsolidieren. Kanalisieren. Aber die Nachricht, die heute in der Zeitung steht, war gestern schon im Web zu finden. Es sei denn, ein paar Provinzpolitiker wollen der Kanzlerin mal wieder vor’s Schienenbein treten. Das nennt man dann exklusiv. In der großen Politik gibt es das von Zeit zu Zeit und das ist gut für die Auflage. Die wahre Informationsmacht ist aber längst ins Netz gewandert. Und dort eröffnen sich ganz neue Spielarten.

Die großen der IT-Industrie spielen das Spiel schon lange. Da sickern scheinbar ungewollt Informationen durch. Die Öffentlichkeit stürzt sich drauf. Und das ist so kalkuliert. An anderer Stelle wird gerade mit heiß ersehnten Informationen gegeizt. Das schürt den Nachrichtenhunger. Meister in dieser Disziplin ist wieder einmal Apple.Aber auch Microsoft, Google oder die Chipindustrie spielen ihre Spiele. Etwas anders treibt es die Open Source Szene, das Prinzip ist dasselbe. Hier wird oft jede 0.1 Alpha-Version eines Kernels, Browsers oder Dienstprogramms als neue Sau durchs Dorf getrieben, lange bevor sie alleine in den Beta-Test geht, geschweige denn bei der Masse der Nutzer ankommt.

Die seltsamsten Blüten treibt das Spiel mit der Sucht sicher auf dem Boulevard. Und hier bringt es mitunter bizarre Früchte hervor. Ausbrecher Peter Paul Michalski packt aus – in „Bild“. Der scheinbar sympathische Knacki ist wohl mal eben in der Redaktion vorbeigelatscht und erzählt seine Räuberpistole vom Kurzurlaub. Natürlich war er nie da. Wahrscheinlich wurden der Redaktion die Informationen vom Anwalt des vermutlich immer noch sehr gefährlichen Schwerverbrechers zugespielt, um seinen Mandanten gut aussehen zu lassen. Die Sensation ist perfekt. Die Auflage steigt. Die Medienmaschine läuft.

Sucht macht verführbar. Die Suche nach dem Kick treibt immer extremere Blüten. Zeitungen, die diese Sucht befriedigen wollen, müssen mehr bieten als die Nachrichtenflut am Tag zuvor im Internet. Sie brauchen gezielte Indiskretionen und Extreme. Für die seriöse Berichterstattung braucht es ein anderes Geschäftsmodell. Denn eine gute Zeitung kann helfen, die wachsende Flut der Nachrichten zu verstehen. Dazu braucht es erfahrene Redakteure, Spezialisten, neue Formate. Das Spiel mit der Sucht wird sich immer mehr ins Netz verlagern. Der Journalismus kann dafür sorgen, dass es nicht übertrieben wird, und dass wir uns in der schrillen Welt der Extreme und Superlative zurechtfinden – online und offline.