Kanzlerblog

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Schlagwort-Archiv: Open Source

Eine erhrenwerte Familie…

Familienangelegenheiten regelt man unter sich! Das ist das Credo eines der weltweit größten Unterhaltungskonzerne, der FIFA. Während international  immer höhere ethische Standards und Transparenzauflagen für Großunternehmen gelten, bewegt sich die Fußballwelt scheinbar in einem nahezu rechtsfreien Raum.

Dass sich daran nichts ändern soll, haben die vereinigten Clanchefs diese Woche bestätigt. Ihren Paten, den Blatter Sepp, haben sie wieder einmal ins Amt gewählt. Mit überwältigender Mehrheit.

Und der hat auch gleich mal wieder klargestellt, was er von Leuten hält, die zu viele Fragen stellen. Das Schweizer Nachrichtenportal 20 Minuten Online hat mitgeschnitten:

http://www.20min.ch/videotv/?vid=205663&cid=44

Linux für Einsteiger auf SPIEGEL-ONLINE

c't kompakt 01/2010 aus dem Heise Zeitschriften Verlag

Aufgrund der Dominanz von Microsoft – auch in der öffentlichen Wahrnehmung – haben sich bisher die wenigsten PC-Nutzer ernsthaft mit den Möglichkeiten von Linux auseinandergesetzt. Open Source hat meist nur da eine Chance, wo es auf Windows läuft. Wäre es anders, wenn es in den Medien einmal einen Linux-Hype gegeben hätte? So richtig haben sich da bisher nur wenige rangetraut. Der Mainstream berichtet kaum und Nischenblätter wie Linux Magazin oder Linux User richten sich im Wesentlichen an Profis oder ambitionierte Nutzer, die ihre Entscheidung bereits getroffen haben.

Ich habe es nie richtig verstanden, warum Linux bei Privatanwendern und kleinen Unternehmen noch keinen Platz erobert hat. Sicher gibt es Hemmschwellen beim Umstieg. Aber vor allem ist es doch immer noch das Image, dass Linux ein System für Bastler, Marktverweigerer und Vegetarier ist. Und das ist Unsinn. Ganz sicher. Die Massenmedien haben bislang wenig dazu beigetragen, dieses Image gerade zu rücken.

Seit etwa zehn Jahren nutze ich jetzt Linux. Seit mindestens 5 Jahren ist mein Rechner Windows-freie Zone und mir fehlt nichts. Im Gegenteil: Wenn ich anderswo mit Windows-Neu Installationen konfrontiert werde, staune ich immer wieder wie viel einfacher es ist, ein komplett neues Linux-System mit allem was dazu gehört aufzusetzen. Die Hardware-Unterstützung ist (von Ausnahmen abgesehen) mittlerweile kaum noch ein Thema. Die Anwendungen sind ausgereift und benutzerfreundlich. Da man Linux problemlos als Zweitsystem installieren kann, lässt sich der Übergang sanft gestalten. Natürlich kann man auch einfach eine Experimentier-Umgebung aufbauen oder mehrere Systeme parallel testen.

Das neue c’t kompakt Linux aus dem Heise Zeitschriften Verlag hat erfreulicherweise die Netzwelt-Redaktion von Spiegel online überzeugt. Sie zitiert einen wunderbaren und leicht verständlichen Artikel von Andrea Müller, der Lust auf den Einstieg macht. Es wäre wünschenswert, wenn die Mainstream-Medien diesem Beispiel folgen und dem Thema künftig  mehr Aufmerksamkeit schenken würden…

Wir Junkies

Wir sind hungrig. Süchtig. Immer auf der Jagd nach der Breaking News. Immer auf der Suche nach dem Kick. Das ist der Ursprung des Zeitungs- und Nachrichtenwesens. Und es macht uns manipulierbar. Im Internetzeitalter können die Zeitungen unsere Sucht nur noch bedingt befriedigen. Sie können interpretieren. Konsolidieren. Kanalisieren. Aber die Nachricht, die heute in der Zeitung steht, war gestern schon im Web zu finden. Es sei denn, ein paar Provinzpolitiker wollen der Kanzlerin mal wieder vor’s Schienenbein treten. Das nennt man dann exklusiv. In der großen Politik gibt es das von Zeit zu Zeit und das ist gut für die Auflage. Die wahre Informationsmacht ist aber längst ins Netz gewandert. Und dort eröffnen sich ganz neue Spielarten.

Die großen der IT-Industrie spielen das Spiel schon lange. Da sickern scheinbar ungewollt Informationen durch. Die Öffentlichkeit stürzt sich drauf. Und das ist so kalkuliert. An anderer Stelle wird gerade mit heiß ersehnten Informationen gegeizt. Das schürt den Nachrichtenhunger. Meister in dieser Disziplin ist wieder einmal Apple.Aber auch Microsoft, Google oder die Chipindustrie spielen ihre Spiele. Etwas anders treibt es die Open Source Szene, das Prinzip ist dasselbe. Hier wird oft jede 0.1 Alpha-Version eines Kernels, Browsers oder Dienstprogramms als neue Sau durchs Dorf getrieben, lange bevor sie alleine in den Beta-Test geht, geschweige denn bei der Masse der Nutzer ankommt.

Die seltsamsten Blüten treibt das Spiel mit der Sucht sicher auf dem Boulevard. Und hier bringt es mitunter bizarre Früchte hervor. Ausbrecher Peter Paul Michalski packt aus – in „Bild“. Der scheinbar sympathische Knacki ist wohl mal eben in der Redaktion vorbeigelatscht und erzählt seine Räuberpistole vom Kurzurlaub. Natürlich war er nie da. Wahrscheinlich wurden der Redaktion die Informationen vom Anwalt des vermutlich immer noch sehr gefährlichen Schwerverbrechers zugespielt, um seinen Mandanten gut aussehen zu lassen. Die Sensation ist perfekt. Die Auflage steigt. Die Medienmaschine läuft.

Sucht macht verführbar. Die Suche nach dem Kick treibt immer extremere Blüten. Zeitungen, die diese Sucht befriedigen wollen, müssen mehr bieten als die Nachrichtenflut am Tag zuvor im Internet. Sie brauchen gezielte Indiskretionen und Extreme. Für die seriöse Berichterstattung braucht es ein anderes Geschäftsmodell. Denn eine gute Zeitung kann helfen, die wachsende Flut der Nachrichten zu verstehen. Dazu braucht es erfahrene Redakteure, Spezialisten, neue Formate. Das Spiel mit der Sucht wird sich immer mehr ins Netz verlagern. Der Journalismus kann dafür sorgen, dass es nicht übertrieben wird, und dass wir uns in der schrillen Welt der Extreme und Superlative zurechtfinden – online und offline.

Das Jahrzehnt der digitalen Durchdringung

Alles Gute erstmal zum neuen Jahr. Zum neuen Jahrzehnt. Was kommt da auf uns zu? Was bewegt uns? Die digitale Technik breitet sich aus, wird schneller, schreitet voran. Was wird anders in den nächsten zehn Jahren?

Die neunziger Jahre haben den digitalen Durchbruch gebracht. Auch eine erste Welle der Demokratisierung. Der PC wurde Allgemeingut. Das Internet wurde erfunden. Mit Linux gewann die Open Source Bewegung eine neue Dynamik. Jedermann konnte Zugang zur digitalen Technik bekommen. Aber auch die Monopole wurden stärker. Vor allem auf dem Desktop. Aber auch im Netz hielten sie Einzug.

Die letzte Dekade war ein Jahrzehnt der digitalen Beschleunigung. Die Bandbreiten wuchsen drastisch. Neue Techniken machten das Netz schneller, dialogorientierter. Die Nutzer gewannen an Einfluss: Soziale Netzwerke steigerten den Dialog. Suchmaschinen und Wikis machten Wissen allgemein verfügbar. Tradiertes Herrschaftswissen wurde durch das Netz Allgemeingut – jeder bekam Zugang, immer schneller, immer mehr. Informationen verbreiten sich in Sekundenschnelle, von jedem Ort der Welt, an jeden Ort der Welt.

Im neuen Jahrzehnt wird die Beschleunigung anhalten, vor allem aber die Durchdringung zunehmen. Digitale Technik wird unser Leben mehr prägen denn je. Das Internet der Dinge wird zunehmend unseren Alltag verändern. Ob alle Häuser und Kühlschränke intelligent werden sei dahingestellt. Das mag die Vision der Leute sein, die daran verdienen. Aber soziale Netzwerke werden selbstverständlich sein, Medien digitaler, Wissen freier. Das Netz wird demokratischer denn je. Und dennoch werden wir uns für die Freiheit des Netzes einsetzen müssen.

Die Datenflut wird weiter steigen. Daten wecken immer Begehrlichkeiten. Beim Staat. Bei Unternehmen. Bei Interessensgruppen. Bei denen, die das schnelle Geld suchen. Schon jetzt hinterlässt jeder viele digitale Spuren im Netz. Bald werden es viel mehr sein. Und bald wird uns noch viel mehr hinterher spioniert. Wird Google Weltmacht? Werden Facebook, XING, Twitter & Co. Google vom Thron der digitalen Mächte stoßen? So wie Google Microsoft? Werden autoritäre Regime wie China, Nordkorea, Kuba oder Iran einsehen, dass es nicht mehr möglich ist, die Massen vom Wissen der Welt abzuschotten und ihnen ein eigenes Bild derselben vorzugaukeln? Und was gaukeln wir uns selber vor? Nicht jede Meinung, die sich im Netz verbreitet, hält einer Prüfung durch die Realität stand…

Das Jahrzehnt wird spannend. Es wird vielleicht weniger von neuen Techniken geprägt sein als von der Anwendung bereits bestehender Möglichkeiten. Es kann eine digitale Durchdringung bewirken, die allen nutzt, oder nur wenigen. Vieles bleibt in der Hand der Nutzer. Denn das Netz bietet alle Möglichkeiten der totalen Kontrolle. Es birgt aber auch Potenziale einer direkten Demokratie, die es in dieser Form noch nie gegeben hat.

Soweit ein paar Gedanken zur neuen Dekade. Happy New Year!

Feindbilder

Lange Zeit galt Microsoft vielen Computernutzern als Feindbild. Was die meisten natürlich nicht davon abhält, ihre Rechner munter weiter mit Windows-Software und Office Produkten aus Redmond zu bestücken. So ganz genau nahm man es zumindest im privaten Bereich nicht mit den Lizenzen. Wozu freie Software, wenn man auch geklaute Windows-Software nutzen kann? Kopierschutz und ausgefeilte Lizenz-Schlüssel nutzten da wenig. Der Aufschrei kam, als der Konzern mit Windows 95 erstmals wirklich auf die Rechner der Nutzer durchgriff. Online-Registrierung, oder zumindest doch per Telefon. Totale Kontrolle. Was wird da wirklich nach Redmond gemeldet? Der gläserne Nutzer? Das berechtigte Interesse Microsofts, sein geistiges Eigentum zu schützen, brachte seltsame Früchte hervor. Doch man hatte sich schnell dran gewöhnt. Das Image von Microsoft litt trotzdem.

Der kometenhafte Aufstieg des strahlenden Sterns des Internetzeitalters hatte da noch gar nicht richtig begonnen: Google. ‘Don’t be evil’ haben sie gesagt. Und alle glaubten es. So ganz anders als Microsoft. Eine schöne bunte Welt. Und alles kostenlos. Toll! Ganz schnell entstand ein neues Monopol – nicht auf dem Desktop, sondern im Internet. Bis heute gehen die meisten Nutzer recht sorglos mit den Informationen um, die sie der schönen bunten Suchmaschine und den zahlreichen Diensten anvertrauen. Informationen, von denen nicht allein Microsoft, sondern auch jeder Innenminister der Welt nur träumen kann. Goolge-Bashing ist zwar mittlerweile auch en Vogue, am Nutzerverhalten ändert das allerdings wenig.

Bleibt noch Apple. Die sind gut. Sie waren immer die elegante Alternative zu Microsoft. Für die Designorientierten. Für die Intellektuellen. Für die, die was auf sich halten. Steve Jobs, die Lichtgestalt. Da störte es wenig, wenn Greenpeace in seinen Umweltrankings Apple Jahr für ein katastrophales Zeugnis ausstellte. Apple gelobte Besserung. Immer wieder, bis zum nächsten Jahr. Mit dem Siegeszug des iPhone übernimmt Apple nun die totale Kontrolle über die Nutzer. Es gibt eine scharfe Zensur. Nur Apps, die von Cupertino abgesegnet sind, laufen auf dem iPhone. Missliebige Inhalte werden entfernt, Pressefreiheit gibt es nur von Apples Gnaden. Der Stern zeigt nackte Haut? Die App von Stern wird gelöscht. Jemand weigert sich, seine Software zu aktualisieren? Dann entzieht er sich vielleicht der Zensur? Das iPhone wird abgeschaltet. So etwas hätte Microsoft niemals gewagt. Und die Nutzer machen alles mit. Sie jubeln noch dazu. Einer aktuellen Studie von Strand Consult zufolge leiden viele sogar unter dem Stockholm-Syndrom.  Sie nehmen Apple gegen alle potenziellen Anfeindungen in vorauseilendem Gehorsam in Schutz. Mittlerweile hat Apple nicht nur die Nutzer als Geisel genommen, sondern zunehmend auch die Verlage. Sie hoffen darauf, auf dem iPhone das Geld zu verdienen, das im Internet niemand zu zahlen bereit ist. Werden sie sich der Zensur beugen? Warten wir’s ab.

Wer sind die guten? Open Source? Auch hier sind mächtige Konzerne involviert. Novell, Oracle, IBM und insbesondere auch Google. Google penetriert die Szene mit seiner bunten Welt. Events wie der Summer of Code ziehen die Entwickler an. Android als Instrument, den Smartphone Markt aufzurollen. Novell paktiert mit Micorsoft. Noch stehen viele Aktivisten in der Community für eine unabhängige Open Source Bewegung. Noch sind OpenSuse, Ubuntu und Co. sicher eine gute Alternative zum Windows Desktop. Chrome OS ist für mich dagegen der Open Source Horror schlechthin.

Microsoft hat mittlerweile viel dazu gelernt. Gegen die neuen Mächte des Internets und des Mobile Content erscheint der Desktop-Gigant eher harmlos. Sicher ist er noch mit Vorsicht zu genießen. Aber ich fühle mich mittlerweile besser, Bing zu nutzen anstelle von Google. Und ein Windows 7 würde ich Chroms OS immer vorziehen. Selbst Steve Ballmer kommt mir mittlerweile zunehmend sympathisch rüber. Aber noch gibt es keinen Grund, das OpenSuse von meinem Desktop auszusperren.