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Zwangsbeglückung

BILD liebt Berlin, Plane (Quelle: Axel Springer Verlag)

Am 23. Juni soll die “BILD” an alle deutschen Haushalte ausgeliefert werden. So etwas nennt man dann wohl Volkszeitung. Auch „Werbeverweigerer“ dürfen sich über die Lektüre freuen. Das Ganze geschieht aus Anlass des 60. Geburtstags des Boulevardblattes aus dem Springer Verlag -  nicht ganz uneigennützig. Denn das Blatt feiert sich nicht nur selbst, sondern erhofft sich auch satte Werbeeinnahmen. Eine ganzseitige Anzeige soll vier Millionen Euro kosten.

Nicht alle sind von dem Angebot begeistert. Unter dem Trending Topic „Briefkasten“ machen sich findige Mitbürger auf Twitter Gedanken, wie sie wohl dieser Zwangsbeglückung entgehen können. Da ist dann auch gerne schon mal von „Zunageln“ die Rede.

„Timeo Danaos et dona ferentes“, sagte schon der Dichter Vergil. Altphilologen und Asterixleser wissen was das heißt: Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen. „Danaer“ war einer der Namen, den das Heer der griechischen Stämme vor Troja trug. Und wie die Sache mit dem Trojanischen Pferd ausging, ist ja hinreichend bekannt…

Markttest geht weiter: zwei Ausgaben WIRED in 2012

Eine gute Nachricht für 2012 kommt heute vom Mediendienst kress: Das deutsche “WIRED”-Abenteuer wird fortgesetzt. Der Markttest geht weiter und 2012 beschert uns zwei weitere Ausgaben – im Bundle mit GQ und als Stand-Alone-Ausgabe!

Die erste Deutsche WIRED war großartig. Schön, dass es jetzt weitergeht! Ein Grund zur Vorfreude und zum Feiern. Bitte sehr – eine ausgefallene musikalische Darbietung für ein ausgefallenes Magazin:

WIRED: bitte weitermachen!

Liebe WIRED-Redaktion,

ich gebe es ja zu: Ich wollte kein Supplement der GQ kaufen und habe den Erwerb Eures Debütalbums  trotz ungeduldig freudiger Erwartung bis zum Erscheinen der  Einzelausgabe hinausgezögert. Das kann man mir als Nickeligkeit auslegen. Aber ich finde, Ihr habt einfach eine eigene Ausgabe verdient.

Diese Woche war es endlich so weit. Ich konnte schließlich doch noch einen Zeitschriftenhandel finden, der die erste deutsche Ausgabe der WIRED hatte. Mittlerweile gibt es ja schon eine Menge Rezensionen. Aber das hatte ich dann doch nicht erwartet. Das ganze Getrommel im Vorfeld – reines Understatement. Ein großartiges Magazin habt Ihr da geschaffen. Ein Kulturgut. Und das soll uns bitte, bitte lange erhalten bleiben!

Ich habe das Heft aufgesogen bis zum letzten Buchstaben. Diese wundervolle Mischung aus Technik, Wirtschaft und Lifestyle. Das phantastische Layout. Einfach stimulierend. Die Leichtigkeit, mit der das Magazin daherkommt. Und dann: Der Inhalt, die Qualität der Beiträge, die vielen kleinen Feinheiten die durchblicken lassen, dass da jemand ein ganz neues Formt geschaffen hat. Zum Beispiel, wenn einzelne Artikel ein so eigenständiges Layout bekommen, dass sogar die Seitenzahl auf eine andere Position wechselt. Und trotzdem fügt sich alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Jeder einzelne Beitrag ist lesenswert, und alle Autoren scheinen zur Höchstform aufzulaufen. Internet-Ikonen wie Jeff Jarvis und Gunter Dueck zeigen sich von ihrer besten Seite: Jarvis’ Beitrag über Johannes Gutenberg als Schutzpatron des Silicon Valley lässt ahnen, welche Bewegung die Erfindung des Buchdrucks seinerzeit in die Gesellschaft gebracht hat – und welche historischen Umbrüche wir gerade dank der Internetrevolution erleben und noch erleben werden. Gunter Dueck findet ganz neue Antworten auf die Frage, ob man alles wissen muss oder ob es ausreicht,  zu wissen wo man suchen muss. Und wer möchte ihm nicht zustimmen wenn er sagt, dass es nicht reicht viele Rezepte zu kennen, um ein guter Koch zu sein.

Viele andere großartige Beiträge finden sich in dem Magazin. Richard Gutjahr berichtet über seine Erfahrungen in Israel und zeichnet ein Bild, das wir so aus den Medien noch nicht kennen. Ein Bericht verführt zu einer Reise in die dunklen Tiefen des Internets. Im Stil eins Wimmelbilds wird die Technik und Logistik des Oktoberfests erklärt und, und, und. Ja, und dann gibt es natürlich die Titelgeschichte über deutsche Geeks und Berliner Startups, durch die unsere Bundeshauptstadt sich langsam zu einem europäischen Silicon Valley gemausert hat. Hat man ja schon drüber gelesen – aber noch nie so spannend, eingängig  und lebensnah.

Kurz und bündig: Ein einziges Lesevergnügen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass es weitergeht. Eine deutsche WIRED ist in dieser Form eine echte Bereicherung für unsere Medienlandschaft. Und das bestimmt nicht nur als App. Also, liebe WIRED-Redaktion: Bitte, bitte weitermachen! Ich nehm sofort ein Abo.

Freitag im SZ-Magazin…

…die Süddeutsche gibt sich experimentierfreudig:

Tolles Experiment. Gute Ideen. Aber warum gibt es junaio nur für iPhone und Android? Die will ich beide nicht geschenkt haben!

Ist Qualitätsjournalismus in Zukunft noch finanzierbar?

Qualitativ hochwertiger Journalismus und gut recherchierte Berichte gehören zu den Grundpfeilern unserer Gesellschaft und unserer Demokratie. Es gibt dazu keine Alternative. Aber wie soll er künftig finanziert werden? Die Werbeeinnahmen der Print-Titel sind seit Jahren rückläufig. Die Verkaufserlöse ebenfalls. Die Einnahmen im Online-Bereich steigen zwar, doch sind die Margen weitaus geringer als im Print.

Ist der Qualitätsjournalismus noch finanzierbar? Google gibt jetzt eine überraschend klare Antwort: Ja, aber die Zeiten der hohen Gewinnmargen sind vorbei. golem.de fasst die (durchaus logischen) Argumente von Google zusammen: „Die Margen basierten auf künstlicher Verknappung: Eingeschränkte Wahlmöglichkeiten für Werbetreibende und Leser. Mit dem Internet habe sich die Verknappung erübrigt und sei durch Überfluss ersetzt worden. Daran werde keine staatliche Regulierung etwas ändern und die Umsätze der Verlage wieder auf das alte Niveau bringen.“

Natürlich muss man das Ganze im Zusammenhang sehen: Google muss sich des Vorwurfs erwehren, mit den journalistischen Inhalten Geld zu verdienen und will sich natürlich aller Verpflichtungen und Forderungen erwehren. Doch dass Google vom journalistischen Content profitiert, lässt sich nicht abstreiten.

Und wenn die Leser für die Inhalte bezahlen? Kann man sie umerziehen? Der australische Medienmogul Rupert Murdoch hat seine Ankündigungen wahr gemacht und verlangt nun Geld für Inhalte. Das Ergebnis ist verheerend: Die Leser wandern scharenweise ab. Das Online-Angebot der Times als eines seiner Flaggschiffe hat bereits mindestens zwei Drittel seiner Leser eingebüßt. Auch deutsche Verlage planen eine Bezahl-Firewall für ihre Inhalte oder haben sie in Teilen – meistens bei der Lokal-Berichterstattung – bereits realisiert. Doch um das auf Dauer durchhalten zu können, bedarf es wohl eines Medienkartells.

Und trotzdem: Mit gutem Journalismus lässt sich offenbar nach wie vor Geld verdienen – auch im Internet. Thomas Knüwer hat kürzlich wieder einmal durchgeklickt und festgestellt, dass einige führende Internetportale wie spiegel online, RP online und andere durchaus profitabel sind oder zumindest ihre Defizite rasant abbauen. Das Internet gibt es her. Seltsamerweise ist er vor einem guten halben Jahr schon einmal zu dem Schluss gekommen, aber scheinbar wollte niemand etwas davon hören. Im „normalen“ Internet wollen Nutzer ihre Inhalte kostenlos. Daran ändert auch das iPad nichts.  Google zeigt wie es geht, damit Geld zu verdienen. Und wie Thomas Knüwer nachweist, können Verlage das auch. Nur die Margen sind nicht mehr die, die sie einmal waren. Vor der dritten Medienrevolution, wie Markus Reiter es nennt.

Um im Internet mit journalistischen Inhalten erfolgreich zu sein, braucht es zunächst Investitionen. Die können vor allem erst einmal nur die großen Verlage tätigen. Und selbst dort scheuen sich viele davor. Gerade den kleinen Fachverlagen fehlt es an Mitteln, um sich auf das neue Zeitalter einzustellen. Doch sie werden es auf Dauer tun müssen. Für einige ist es bereits zu spät. Andere haben gezeigt, wie es geht: Der sicher nicht ganz so kleine und durchaus auch finanzkräftige IDG-Verlag hat sein Online-Angebot seit Jahren kontinuierlich ausgebaut. Es ist für Nutzer und Werbetreibende hoch attraktiv. Andere werden ihre Hausaufgaben noch machen müssen. Sonst können sie nur in der Nische überleben – wenn überhaupt.

Einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des Qualitätsjournalismus auch im Internet-Zeitalter könnten dennoch alle leisten, die journalistische Inhalte nicht selbstverständlich kostenlos nutzen möchten. Die TAZ hat es vorgemacht. Sie setzt auf kleine, freiwillige Zahlungen über den Micro-Payment-Dienst Flattr. Wenn sich ein gesellschaftlicher Konsens entwickeln lässt, dass Journalismus in welcher Form auch immer einen Preis hat, und jeder bestimmt, was er ihm wert ist, ließe sich vielleicht anstelle der pauschalen Bezahl-Firewall ein Weg finden, um auch die Leser an der Finanzierung des Qualitäts-Journalismus zu beteiligen.

Und Google? Google ist ein Bindeglied zwischen Internetnutzern, Werbetreibenden und Inhalteanbietern. Ein bisschen mehr Fantasie, wie man die Interessen aller unter einen Hut bringen kann, könnte man hier schon erwarten. Dann braucht es auch keine Regulierung.