Kanzlerblog

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Beziehungsstatus

Liebes Fratzenbuch,

ich finde es wundervoll, wie Du Dich um mich sorgst. Tag für Tag bist Du für mich da. Du willst nur das eine, nämlich dass mein Leben schöner, bunter, reicher wird. Das ist einfach zu schön, um wahr zu sein. Dafür musst Du natürlich viel über mich wissen. Und ich gebe es Dir immer bereitwillig preis. Schließlich willst Du ja nur das Beste für mich.

Singlefrau. (Quelle: Facebook-Werbung)

Darum habe ich meinen Beziehungsstatus kürzlich wahrheitsgemäß auf „getrennt lebend“ geändert. Und Du? Was tust Du? In Deiner unermesslichen Fürsorge und Nächstenliebe? Tag für Tag zeigst Du mir wunderschöne Mädchen, wie ich sie selbst bei Dir noch nie zuvor gesehen habe. „Lerne attraktive Single Frauen aus Deiner Nähe kennen“ oder „jetzt gratis registrieren“ heißt es da. Jede von haucht mir liebevoll zu: „Klick mich“. Und dann auch noch gratis. Von wegen “umsonst ist nur der Tod, und der kostet das Leben…” Bei Dir ist alles umsonst.

Singlefrau. (Quelle: Facebook-Werbung)

Liebes Fratzenbuch. Danke, dass Du Dich so um mich sorgst. Trotzdem klick ich da nicht drauf. Hast Du das noch nicht bemerkt? Oder willst Du mich etwa in Versuchung führen? Nein, der Gedanke liegt Dir fern. Sicher willst Du nur mein Bestes.

Aber jetzt nochmal zum mitschreiben. Ich will keine kostenlosen Kreditkarten. Keine Sofortfinanzierung ohne Schufa. Nichts von dem Quatsch. Und ich will auch nicht, dass Du mich mit irgendwelchen Singlefrauen verkuppelst. Meine Beziehungen sind nämlich meine Sache.

Gute Nacht!

Dein Medienkanzler

Zwangsbeglückung

BILD liebt Berlin, Plane (Quelle: Axel Springer Verlag)

Am 23. Juni soll die “BILD” an alle deutschen Haushalte ausgeliefert werden. So etwas nennt man dann wohl Volkszeitung. Auch „Werbeverweigerer“ dürfen sich über die Lektüre freuen. Das Ganze geschieht aus Anlass des 60. Geburtstags des Boulevardblattes aus dem Springer Verlag -  nicht ganz uneigennützig. Denn das Blatt feiert sich nicht nur selbst, sondern erhofft sich auch satte Werbeeinnahmen. Eine ganzseitige Anzeige soll vier Millionen Euro kosten.

Nicht alle sind von dem Angebot begeistert. Unter dem Trending Topic „Briefkasten“ machen sich findige Mitbürger auf Twitter Gedanken, wie sie wohl dieser Zwangsbeglückung entgehen können. Da ist dann auch gerne schon mal von „Zunageln“ die Rede.

„Timeo Danaos et dona ferentes“, sagte schon der Dichter Vergil. Altphilologen und Asterixleser wissen was das heißt: Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen. „Danaer“ war einer der Namen, den das Heer der griechischen Stämme vor Troja trug. Und wie die Sache mit dem Trojanischen Pferd ausging, ist ja hinreichend bekannt…

Jingle Bells

…zum dritten Advent

(Quelle: Hans Heindl  / pixelio.de)

(Quelle: Hans Heindl / pixelio.de)

Eigentlich nervt sie ja, die ganze Advents- und Weihnachtswerbung. Tierisch. Und eigentlich ist das eh alles viel zu amerikanisch geworden. Wirklich. Aber dieser Spot des amerikanischen Herrenausstatters Brooks Brothers ist wirklich tierisch süß. Und ganz ohne “Ho Ho Hoooh”. Nebenbei erfahren wir, dass dieser amerikanische Weihnachtsklassiker aus dem Jahr 1857 stammt – und dass es den traditionsreichen Herrenausstatter schon viel länger gibt. Nämlich seit 1818.

Dinner For One

Eine südafrikanische Fast Food-Kette wirbt in einem Video-Spot mit dem einsamen Robert Mugabe, der an der leeren Dinnertafel sitzt und von der guten alten Zeit mit seinen verstorbenen Diktatoren-Freunden träumt. Geschmacklos? Nö, eigentlich ziemlich witzig. Und echt gut inszeniert. Aber ob das Lust auf Fast Food macht? Kuckstu:

Es macht die Welt nicht besser, über all das Schlimme, das auf  ihr geschieht, zu lachen. Aber manchmal hilft es. Guten Appetit!

Minister zu Guttenberg: neue Wege in der Testimonial Werbung

Quelle: Werben & Verkaufen

Der in den Medien bald nur noch als „Selbstverteidigungsminister“ titulierte Minister zu Guttenberg agiert derzeit – vorsichtig formuliert – eher ungeschickt. Sein Image als Medienstar dürfte fürs erste ruiniert sein. Anstatt sich der Bundespressekonferenz zu stellen, stammelt er heute während diese tagt irgendwo in Berlin vor einer handvoll Journalisten ein Statement herunter, ohne Fragen zuzulassen.

80 Stellen (Stand heute Nachmittag) in seiner Doktorarbeit, so lautet der Vorwurf, sollen abgeschrieben sein. Die Liste scheint weiter zu wachsen.  Für die nächsten zwei Wochen will er auf den Titel verzichten. Eine der nicht gekennzeichneten Quellen – das scheint festzustehen – ist die Neue Züricher Zeitung, genauer gesagt die NZZ am Sonntag. Die Schweizer nehmen es mit Humor und gehen neue Wege in der Testimonial-Werbung: Die Zeitung  schmückt sich mit dem Summa cum laude der Universität Bayreuth. Das berichten unter anderem  Werben & Verkaufen und die Schweizer Werbewoche.

Glückwunsch also an die NZZ! In Punkto Selbstinszenierung kann sie unserem smarten Minister glatt das Wasser reichen. Und hat das Summa cum laude dafür auch noch verdient…