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Potemkinsche Zeitungen oder: ein Verlag schafft sich ab

Die WAZ-Mediengruppe ist schon lange schlecht beraten. Irgendwer hat den Verantwortlichen eingeflüstert, dass Qualität und Vielfalt ihren Preis nicht wert sind und dass sie deshalb ab sofort nur noch Platz in Sonntagsreden haben. Redaktionen werden gleichgeschaltet, etablierte Zeitungsmarken auch. derwesten.de war der erste lustvolle Schritt in den Untergang. Bald bleibt nur noch Fassade. Das ist konsequenter Irrsinn.

Bitte liebe WAZ-Gruppe, schlimm genug was Ihr mit Euren Redakteuren macht. Aber glaubt Ihr ernsthaft, dass bald noch irgendjemand eure Potemkinschen Zeitungen kauft???

Erschütterndes, nachzulesen auf kress.de

Zwangsbeglückung

BILD liebt Berlin, Plane (Quelle: Axel Springer Verlag)

Am 23. Juni soll die “BILD” an alle deutschen Haushalte ausgeliefert werden. So etwas nennt man dann wohl Volkszeitung. Auch „Werbeverweigerer“ dürfen sich über die Lektüre freuen. Das Ganze geschieht aus Anlass des 60. Geburtstags des Boulevardblattes aus dem Springer Verlag -  nicht ganz uneigennützig. Denn das Blatt feiert sich nicht nur selbst, sondern erhofft sich auch satte Werbeeinnahmen. Eine ganzseitige Anzeige soll vier Millionen Euro kosten.

Nicht alle sind von dem Angebot begeistert. Unter dem Trending Topic „Briefkasten“ machen sich findige Mitbürger auf Twitter Gedanken, wie sie wohl dieser Zwangsbeglückung entgehen können. Da ist dann auch gerne schon mal von „Zunageln“ die Rede.

„Timeo Danaos et dona ferentes“, sagte schon der Dichter Vergil. Altphilologen und Asterixleser wissen was das heißt: Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen. „Danaer“ war einer der Namen, den das Heer der griechischen Stämme vor Troja trug. Und wie die Sache mit dem Trojanischen Pferd ausging, ist ja hinreichend bekannt…

WIRED: bitte weitermachen!

Liebe WIRED-Redaktion,

ich gebe es ja zu: Ich wollte kein Supplement der GQ kaufen und habe den Erwerb Eures Debütalbums  trotz ungeduldig freudiger Erwartung bis zum Erscheinen der  Einzelausgabe hinausgezögert. Das kann man mir als Nickeligkeit auslegen. Aber ich finde, Ihr habt einfach eine eigene Ausgabe verdient.

Diese Woche war es endlich so weit. Ich konnte schließlich doch noch einen Zeitschriftenhandel finden, der die erste deutsche Ausgabe der WIRED hatte. Mittlerweile gibt es ja schon eine Menge Rezensionen. Aber das hatte ich dann doch nicht erwartet. Das ganze Getrommel im Vorfeld – reines Understatement. Ein großartiges Magazin habt Ihr da geschaffen. Ein Kulturgut. Und das soll uns bitte, bitte lange erhalten bleiben!

Ich habe das Heft aufgesogen bis zum letzten Buchstaben. Diese wundervolle Mischung aus Technik, Wirtschaft und Lifestyle. Das phantastische Layout. Einfach stimulierend. Die Leichtigkeit, mit der das Magazin daherkommt. Und dann: Der Inhalt, die Qualität der Beiträge, die vielen kleinen Feinheiten die durchblicken lassen, dass da jemand ein ganz neues Formt geschaffen hat. Zum Beispiel, wenn einzelne Artikel ein so eigenständiges Layout bekommen, dass sogar die Seitenzahl auf eine andere Position wechselt. Und trotzdem fügt sich alles zu einem harmonischen Ganzen zusammen.

Jeder einzelne Beitrag ist lesenswert, und alle Autoren scheinen zur Höchstform aufzulaufen. Internet-Ikonen wie Jeff Jarvis und Gunter Dueck zeigen sich von ihrer besten Seite: Jarvis’ Beitrag über Johannes Gutenberg als Schutzpatron des Silicon Valley lässt ahnen, welche Bewegung die Erfindung des Buchdrucks seinerzeit in die Gesellschaft gebracht hat – und welche historischen Umbrüche wir gerade dank der Internetrevolution erleben und noch erleben werden. Gunter Dueck findet ganz neue Antworten auf die Frage, ob man alles wissen muss oder ob es ausreicht,  zu wissen wo man suchen muss. Und wer möchte ihm nicht zustimmen wenn er sagt, dass es nicht reicht viele Rezepte zu kennen, um ein guter Koch zu sein.

Viele andere großartige Beiträge finden sich in dem Magazin. Richard Gutjahr berichtet über seine Erfahrungen in Israel und zeichnet ein Bild, das wir so aus den Medien noch nicht kennen. Ein Bericht verführt zu einer Reise in die dunklen Tiefen des Internets. Im Stil eins Wimmelbilds wird die Technik und Logistik des Oktoberfests erklärt und, und, und. Ja, und dann gibt es natürlich die Titelgeschichte über deutsche Geeks und Berliner Startups, durch die unsere Bundeshauptstadt sich langsam zu einem europäischen Silicon Valley gemausert hat. Hat man ja schon drüber gelesen – aber noch nie so spannend, eingängig  und lebensnah.

Kurz und bündig: Ein einziges Lesevergnügen. Jetzt bleibt zu hoffen, dass es weitergeht. Eine deutsche WIRED ist in dieser Form eine echte Bereicherung für unsere Medienlandschaft. Und das bestimmt nicht nur als App. Also, liebe WIRED-Redaktion: Bitte, bitte weitermachen! Ich nehm sofort ein Abo.

Elfter September

Der elfte September. Kein Tag wie jeder andere – nie wieder. Ein Trauma. Vor zehn Jahren ist es passiert. Das zweite mal in ihrer Geschichte wurden die USA auf ihrem eigenen Territorium angegriffen. Mit verheerenden Folgen für Tausende von Menschen, für New York, die USA und die ganze Welt.

Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon haben tiefe Spuren in der kollektiven Erinnerung der westlichen Gesellschaften hinterlassen. Irgendwie wissen heute noch alle, die es schon bewusst erlebt haben, was sie an diesem Tag gemacht haben.

Meine Frau und ich waren auf einer Bergwanderung in über 3000 Meter Hohe als es passierte, fernab vom Nachrichtengetöse. Abends zurück im Hotel merkte man sofort, dass etwas nicht stimmt. “In den USA ist etwas Schreckliches passiert. Ein kleiner Krieg”, sagte der Hoteldirektor. Zurück auf dem Zimmer die ersten Nachrichtenbilder. Die Flugzeuge, die in die Türme fliegen. Immer und immer wieder. Es war der letzte Abend der Saison im Hotel. Es sollte noch eine kleine Feier geben. Die fiel dann sehr bescheiden aus. Gedrückte Stimmung. Und immer wieder die Nachrichten. Die lange Heimfahrt am nächsten Tag. Schweigend. Aufgewühlt. Die Sondersendungen im Radio liefen ununterbrochen. Eine Bestandsaufnahme des Schreckens. Man wusste irgendwie, dass die Welt eine andere geworden ist.

Die Welt hat sich verändert. Wäre der 11. September nicht gewesen – wahrscheinlich gäbe es keinen blutigen Krieg auf verlorenem Posten in Afghanistan, keine Diskussion über Vorratsdatenspeicherung, keine Fluggastdatenspeicherung, Körperscanner und vieles mehr. Innenminister dürften alles essen, aber nicht alles wissen. In den westlichen Demokratien ist ein erbitterter Kampf um Freiheitsrechte ausgebrochen, der in dieser Form zuvor undenkbar gewesen wäre. Und mehr als je zuvor kooperieren sie mit finsteren Diktatoren und stützen sie, wenn sie nur im “Krieg gegen den Terror” auf der richtigen Seite stehen.

Auch sonst hat sich die Welt verändert. Das Internet war vor zehn Jahren noch nicht so weit wie heute, die Nutzung auch nicht. Damals waren es vor allem noch die klassischen Medien – Radio, TV, Nachrichtenportale im Web 1.0 und die gute alte Zeitung, die uns die Agenturmeldungen, Nachrichten, Texte, Bilder und Töne lieferten. Mit den heutigen Möglichkeiten würden sie in Gedankenschnelle über Twitter, Facebook, Youtube und Flickr jeden entlegenen Winkel der vernetzten Welt erreichen.

Möge Gott, Allah oder wer auch immer uns davor bewahren, dass sich solche Breaking News jemals über das Netz verbreiten werden.

Minister zu Guttenberg: neue Wege in der Testimonial Werbung

Quelle: Werben & Verkaufen

Der in den Medien bald nur noch als „Selbstverteidigungsminister“ titulierte Minister zu Guttenberg agiert derzeit – vorsichtig formuliert – eher ungeschickt. Sein Image als Medienstar dürfte fürs erste ruiniert sein. Anstatt sich der Bundespressekonferenz zu stellen, stammelt er heute während diese tagt irgendwo in Berlin vor einer handvoll Journalisten ein Statement herunter, ohne Fragen zuzulassen.

80 Stellen (Stand heute Nachmittag) in seiner Doktorarbeit, so lautet der Vorwurf, sollen abgeschrieben sein. Die Liste scheint weiter zu wachsen.  Für die nächsten zwei Wochen will er auf den Titel verzichten. Eine der nicht gekennzeichneten Quellen – das scheint festzustehen – ist die Neue Züricher Zeitung, genauer gesagt die NZZ am Sonntag. Die Schweizer nehmen es mit Humor und gehen neue Wege in der Testimonial-Werbung: Die Zeitung  schmückt sich mit dem Summa cum laude der Universität Bayreuth. Das berichten unter anderem  Werben & Verkaufen und die Schweizer Werbewoche.

Glückwunsch also an die NZZ! In Punkto Selbstinszenierung kann sie unserem smarten Minister glatt das Wasser reichen. Und hat das Summa cum laude dafür auch noch verdient…