Herr W. macht Marktforschung


Zu den Segnungen des modernen Verbraucherschutzes gehört es, dass Marktforscher, Telefonverkäufer und andere Akquisiteure verpflichtet sind, ihre Rufnummer zu erkennen zu geben. Daher weiß ich in der Regel, dass es meine Großmutter ist, wenn im Display meines Telefons eine „Privatnummer“ erscheint. Alle anderen Nummern aus meinem Umfeld sind digitalisiert und erscheinen im Display.

Täglich ereilen mich viele Anrufe mit mir unbekannter Nummer, während ich auf der Arbeit bin. Die Anrufer hinterlassen in der Regel keine Nachricht auf der Mailbox. Auf der Website whocallsme.com schaue ich dann nach, wer mir da wieder meine kostbare Zeit stehlen oder etwas verkaufen wollte. Auch ein Segen der Informationsgesellschaft. Die Nummern landen direkt auf meiner persönlichen schwarzen Liste, denn oft versuchen es diese Leute auch abends in meiner kostbaren freien Zeit zu Hause bei der Familie. Natürlich machen „diese Leute“ auch nur ihren Job und ich mache ihnen deshalb auch keinen Vorwurf. Manche sind allerdings ziemlich abgebrüht.

Heute Abend rief Herr W. an. Die Familie saß gerade beim Abendessen. „Guten Abend, W. hier. Wir machen eine Umfrage über Wein. Kein Verkauf!“ Ich dachte es wäre meine Großmutter. Es geht ihr nicht gut. Rufnummer unterdrückt. Aber es war Herr W. „Geht ganz schnell“ und fragt gleich drauf los. Kein Auftraggeber, kein Institut, keine Studie, um die es geht. Ob ich lieber trocken oder lieblich trinke. Ob es mir wichtig sei, wo der Wein herkommt. Ob ich wisse, dass Wein gesundheitsfördernde Stoffe enthalte. „Danke, das war’s. Das Weingut wird sich in den nächsten Tagen bei Ihnen wegen einer Gratisprobe melden.“ Kein Verkauf??? Aber ein Fall für die Bundesnetzagentur!

Wir haben zwei Telefonanschlüsse. Ich habe gerade das Abendessen wieder aufgenommen, da schellt das andere Telefon. „W. hier, guten Abend Herr Fitzke, wir führen in Ihrem Ort eine Umfrage zum Thema Wein durch…“. – „Danke Herr W., wir haben uns gerade schon unterhalten.“ – „Ach so, na dann wünsche ich noch einen schönen Montagabend.“

Das war unprofessionell von Ihnen, Herr W. Es ist doch Dienstag! Aber bald lerne ich ja Ihren Auftraggeber kennen…

Update 27.05.2010: das Weingut hat sich bei mir gemeldet. Mit Rufnummernunterdrückung! Wollte mir auf Teufel komm raus was verkaufen, da ich ja an der Umfrage teilgenommen habe. Es handelt sich um ein Weingut in Bornheim bei Mainz. 350 Jahre alt, seit 11 Generationen im Familienbesitz. Dass die so was nötig haben.

Meine Hinweise auf ihre Praktiken hat die freundliche, aber bestimmte Frau L.  völlig ignoriert und mir angeboten, sich doch in einem Monat noch einmal zu melden. Bitte nicht!

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