Gelesen: Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte


„Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte“ von Adam Giddwitz ist ein lesenswertes, durchaus faszinierendes Buch, an dem die ganze Familie ihre Freude haben kann. Es kann aber auch zu kulturellen Missverständnissen und dadurch zu falschen Erwartungen führen. Denn der US-amerikanische Autor hat offenbar eine ganz andere Tradition im Umgang mit Märchen erlebt, als es bei uns bis heute noch der Fall ist. Wenn er daher ankündigt, die Märchen der Gebrüder Grimm so zu erzählen, wie sie wirklich sind, kann das märchenkundige Leser irritieren, weil sie auf viel Bekanntes stoßen. Was bleibt ist eine kunst- und liebevolle Neu-Erzählung, in der zahlreiche bekannte Motive und Geschichten aus der Grimmschen Sammlung in einer spannenden Rahmenhandlung zusammengeführt werden. Man muss sich darauf einlassen. Wenn man das tut, fällt es schwer, die Lektüre wieder aus der Hand zu geben. Ein Buch für Groß und Klein, allerdings nichts für allzu zarte Gemüter.

Dank der Online-Plattform Blogg Dein Buch können wir alle Literaturpapst sein.  Der Medienkanzler ist dabei und heute gibt es die erste Rezension: „Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte“ von Adam Giddwitz.

Adam Gidwitz Hugh DAndrade Eine dunkle & grimmige Geschichte  (ars edition)

(Quelle: ars edition)

Um es vorweg zu nehmen: Wir haben das Buch einem Test mit der ganzen Familie unterzogen. Der seit kurzem neunjährige Sohn ist begeistert.  Er ist gestählt durch Harry Potter. Kinder, die damit klar kommen, können sicher auch ohne Bedenken die unheimliche & GRIMMIGE Geschichte zu lesen bekommen. Aber auch Erwachsene sollten daran ihre Freude haben.

Die Ankündigungen und Ausführungen des Autors zu Anfang können ein wenig irritieren, vielleicht auch verstören. Der Autor verspricht, die wahre Geschichte von Hänsel und Gretel zu erzählen. Er sagt sinngemäß, die Märchen der Gebrüder Grimm seien ursprünglich richtig, richtig toll gewesen. Gewalttätig (was schon ein bisschen reißerisch klingt) und blutig. Dem Märchenkundigen mag sich daher die Frage stellen: ja wie viel gewalttätiger und blutiger sollen sie denn noch gewesen sein? Denn natürlich denkt man gleich an den Wolf, der das Rotkäppchen verspeist hat, die Hexe die Hänsel und Gretel fressen wollte und selber im Ofen ihr Leben aushauchte oder Aschenputtels Stiefschwestern, die sich die eigenen Füße verstümmeln mussten. Vielleicht denkt man auch an etwas weniger bekannte Geschichten wie die sieben Raben, wo sich das Schwesterchen auf der Suche nach ihren verwunschenen Brüdern am Glasberg den Finger abschneidet oder des Teufels rußigen Bruder, der sieben Jahre in der Hölle gedient hat (Beide Motive werden übrigens im Buch verarbeitet).

Wozu also diese reißerische Ankündigung? Vielleicht hat es mit dem kulturellen Unterschied zu tun. Wir kennen natürlich auch die netten, harmlosen Märchen- Nacherzählungen a la Simsala Grimm. Aber selbst unsere Kleinen wissen in der Regel, dass das nicht die echten Märchen sind. Die meisten bekommen doch wohl immer noch irgendwann die eine oder andere Geschichte im Original vorgelesen. Und das scheint in den USA anders zu sein. Märchen kennt man dort wohl vor allem weichgespült im Disney-Stil. Und deshalb hätte der deutschen Ausgabe sicher eine eigene Einleitung gut getan.

Ist diese Irritation aber erst einmal überwunden, erwartet die Leserinnen und Leser eine spannende, wundervolle Geschichte, in die man tief eintauchen kann und die einen so schnell nicht wieder loslässt. Der Autor macht Hänsel und Gretel zu den Protagonisten einer (zugegeben: ziemlich unheimlichen und streckenweise sehr düsteren) Rahmenhandlung, innerhalb derer er sie viele verschiedene Märchenmotive durchlaufen lässt. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine Kommentare und Fragen, ob auch wirklich keine kleinen Kinder mehr da sind. Das Ganze ist kunstvoll miteinander verwoben und meist leicht verfremdet, aber jederzeit wieder zu erkennen: Da wird aus der Hexe die kannibalische Bäckersfrau, aus Raben werden Schwalben oder statt der Großmutter ist es der verkleidete Hänsel, der dem Teufel die drei goldenen Haare selbst ausreißt.

Dabei bleibt der Autor seiner märchenhaften Erzählweise treu, ohne dass der Stil angestaubt wirkt. Manchmal finden etwas unglückliche Begriffe aus der Alltagssprache ihren Weg dort hinein, die man Kindern gelegentlich erklären muss. Das mag auch Geschmackssache oder eine Frage der Übersetzung sein, ist aber auf jeden Fall verzeihlich. Wer die dunkle & GRIMMIGE Geschichte noch nicht kennt und an dieser Stelle Lust bekommt, einen Blick in das Buch zu werfen, sollte unbedingt zugreifen. Es lohnt sich!

„Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte“ ist ein Buch, auf das man sich einlassen muss. Gelingt das, verspricht es eine packende und fesselnde Lektüre. Richtig, richtig toll.

Kurzinfo
Titel: Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte
Autor: Adam Giddwitz
Verlag: ars edition (www.arsedition.de)
Preis: 12,95 € (Deutschland)
Erhältlich in guten Buchhandlungen oder direkt bei ars edition.

Vielen Dank an ars edition und bloggdeinbuch.de!

3 Antworten zu “Gelesen: Eine dunkle & GRIMMIGE Geschichte

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