Türe #7: Ich hab es getragen sieben Jahr…


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Bild: Ulrike Wieczorek

„Ich hab es getragen sieben Jahr,
und ich kann es nicht tragen mehr!
Wo immer die Welt am schönsten war,
da war sie öd und leer.

Ich will hintreten vor sein Gesicht
in dieser Knechtsgestalt,
er kann meine Bitte versagen nicht,
ich bin ja worden alt.

Und trüg er noch den alten Groll,
frisch wie am ersten Tag,
so komme, was das kommen soll,
und komme, was da mag.“

Mit diesen Versen beginnt eine der wohl wundervollsten deutschen Balladen, „Archibald Douglas“. Der Dichter Theodor Fontane singt von Treue und Ehre, von Ritterlichkeit, Vaterlandsliebe und Mut. Von Verzweiflung, Liebe und Verantwortung. Und von Hoffnung und Gerechtigkeit für den, der treu ergeben ist, dem Schicksal und anderen Gegenüber.

Weiter geht es:

Graf Douglas spricht‘s. Am Weg ein Stein
lud ihn zu harter Ruh,
er sah in Wald und Feld hinein,
die Augen fielen ihm zu.

Er trug einen Harnisch, rostig und schwer.
Darüber ein Pilgerkleid.-
Da horch! Vom Waldrand scholl es her
wie von Hörnern und Jagdgeleit.

Und Kies und Staub aufwirbelte dicht,
her jagte Meut und Mann,
und ehe der Graf sich aufgerich‘t,
waren Roß und Reiter heran.

König Jakob saß auf hohem Roß,
Graf Douglas grüßte tief;
dem König das Blut in die Wange schoß,
der Douglas aber rief:

Besagten Graf Archibald Douglas gab es wirklich. Also, eigentlich gab es ziemlich viele Earls of Angus, Douglas oder Ormonde, die allesamt auf diesen Namen hörten. In diesem Fall handelt es sich wohl um Archibald Douglas of Kilspindie, den Onkel von Archibald Douglas, 6. Earl of Angus. Letzterer hatte den jungen König Jakob V (im Gedicht gerade eben hoch zu Ross) gefangen gesetzt. Der Onkel dagegen hatte sich liebevoll um dessen Erziehung gekümmert. Das half aber nichts. Er wurde später gemeinsam mit dem ganzen Douglas Clan verbannt und ging nach Frankreich ins Exil.

Im Gedicht kehrt er nach sieben Jahren zurück nach Schottland und bittet den König um Gnade. Er ist zu allem entschlossen, bis in den Tod:

„König Jakob, schaue mich gnädig an
und höre mich in Geduld,
was meine Brüder Dir angetan,
es war nicht meine Schuld.

Denk nicht an den alten Douglas-Neid,
der trotzig dich bekriegt,
denk lieber an deine Kinderzeit,
wo ich dich auf Knien gewiegt.

Denk lieber zurück an Stirling-Schloß,
wo ich Spielzeug dir geschnitzt,
dich gehoben auf deines Vaters Ross,
und Pfeile dir zugespitzt.

Denk lieber zurück nach Linlithgow,
an den See und den Vogelherd,
wo ich dich fischen und jagen froh,
und schwimmen und springen gelehrt.

O denk an alles, was einstens war,
und sänftige deinen Sinn,
ich habe es getragen sieben Jahr,
daß ich ein Douglas bin!“

Der junge König Jakob hatte im Alter von von 16 Jahren den gesamten Clan der Douglas verbannt. Auch den freundlichen Onkel Archibald, den er wohl sogar recht gern mochte, der aber eben doch auch ein Douglas war:

„Ich seh dich nicht, Graf Archibald,
ich hör Deine Stimme nicht,
mir ist, als ob ein Rauschen im Wald
von alten Zeiten spricht.

Mir klingt das Rauschen süß und traut,
ich lausch ihm immer noch,
Dazwischen aber klingt es laut:
er ist ein Douglas doch.

Ich seh dich nicht, ich hör dich nicht,
das ist alles, was ich kann –
ein Douglas vor meinem Angesicht
wär ein verlorener Mann.“

Hier könnte das Gespräch zu Ende sein. Und so sah es der König wohl auch:

König Jakob gab seinem Roß die Sporn,
bergan nun ging sein Ritt,
Graf Douglas faßte den Zügel vorn
und hielt mit dem Könige Schritt.

Der Weg war steil, und die Sonne stach,
sein Panzerhemd war schwer,
doch ob er schier zusammenbrach,
er lief doch neben her.

„König Jakob, ich war dein Senneschall,
ich will es nicht fürder sein,
ich will nur warten dein Roß im Stall
und ihm schütten die Körner ein.

Ich will ihm selber machen die Streu
und es tränken mit eigner Hand,
nur lass mich atmen wieder aufs neu
die Luft im Vaterland!

Und willst du nicht, so hab einen Mut,
und ich will es danken dir,
und zieh dein Schwert und triff mich gut
und laß mich sterben hier.“

König Jakob sprang herab vom Pferd,
hell leuchtete sein Gesicht,
aus der Scheide zog er sein breites Schwert,
aber fallen ließ er es nicht.

„Nimm‘s hin, nimm‘s hin und trag es neu
und bewache mir meine Ruh!
Der ist in tiefster Seele treu,
wer die Heimat liebt wie du.

Zu Roß, wir reiten nach Linlithgow,
und du reitest an meiner Seit,
dort wollen wir fischen und jagen froh
als wie in alter Zeit.“

Tatsächlich hat der echte Archibald Douglas seinen König nach Jahren der Verbannung um Gnade gebeten. Sie wurde ihm nie gewährt.

Carl Loewe hat Fontanes Ballade gefühlvoll und leidenschaftlich vertont. Der Vortrag von Dietrich Fischer-Dieskau geht unter die Haut:

Bis zum 18. Dezember besteht noch die Möglichkeit am Gewinnspiel teilzunehmen. Zu gewinnen gibt es das Buch „Sind die Medien noch zu retten?“ von Thilo Baum und Frank Eckert. Dazu einfach nochmal Türe #6 öffnen!

Am 24. 12.2016 wird der Name des Gewinners hier auf medienkanzler.net veröffentlicht. Viel Glück!

Morgen geht es weiter im Adventskalender mit Türe #8

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