Krieg der Welten


© 2010 Bernd Boscolo / pixelio.de

Mit Google und China treffen Welten aufeinander. Mächtige Welten. Die einen beziehen ihre Macht aus einem Quasi-Monopol auf Informationen, die sie frei zur Verfügung stellen. Die anderen glauben, ihre Macht nur durch die restriktive Kontrolle von Information sichern zu können.

Zu Beginn hat Google mitgespielt. Das Land des unbegrenzten Marktwachstums lockte. Oder hat es von Anfang an vorgehabt, das System zu unterwandern? Die Zeiten sind jetzt jedenfalls vorbei. Google und China liegen im Krieg. Ein Krieg der Welten. Und sie kämpfen mit ihren jeweils eigenen Waffen: Die einen sperren die Zensur aus, die anderen reagieren mit Verschärfung der Zensur. Nicht nur Google selbst wird jetzt von der Partei zensiert. Auch die Berichterstattung in den chinesischen Medien über den unbeugsamen Suchmaschinen-Giganten wird streng auf Linie gebracht. Und die Gemengelage wird immer schwerer zu überschauen.

Allerdings handelt es sich bei Google nicht nur um eine handvoll Gallier. Google ist mächtig. Denn Google hat ein viel größeres Informationsmonopol als die chinesische Staatspartei. Eine Zensur Chinas durch Google würde für das aufstrebende Land vielleicht verheerendere Folgen haben als das Verschwinden Googles von der chinesischen Bildfläche. Der Westen braucht China. Der Westen nutzt Google. China braucht den Westen. Google braucht China nicht unbedingt. Wenn der Streit weiter eskaliert, was wenn China aus Google verschwindet? Im Kampf mit gleichen Waffen hätte China das Nachsehen. Was machen die chinesischen Zulieferer und Auftragsfertiger, wenn ihre Produkte und Dienstleistungen nicht mehr auf Google gelistet sind? Wie würde sich das Fehlen auf Google auf die chinesische Exportwirtschaft auswirken? Sicher würde eine Zensur Chinas durch Google eine empfindliche Delle im chinesischen Bruttoinlandsprodukt hinterlassen.

Ein verlockendes Gedankenexperiment. Sicher wird es nicht so weit kommen. Dafür gibt es mindestens zwei Gründe. Der erste liegt bei Google selbst. Das Unternehmen, das für Informationsfreihit steht wie kein anderes, würde sich selbst verraten. Es ist unwahrscheinlich, dass Google den eigen Prinzipien derart untreu würde, auch wenn es dadurch eine große Schlacht, vielleicht sogar einen ganzen Krieg gewinnen würde. Der zweite Grund: Google kann kein Interesse daran haben, den Nationen der Welt seine gesamte Allmacht vor Augen zu führen. Sicher ist es im Interesse Googles, wenn die Welt sieht, dass man sich nicht mit dem Giganten anlegen sollte. So wie es jetzt läuft, ist Google der Held, der für Freiheit und das Recht auf Information steht. Die Botschaft darf aber nicht sein, dass es ein Land in die Knie zwingen kann, wenn Google sein Informationsmonopol einsetzt. Das würde alle Regierungen aufscheuchen.

Im Moment wird Google vor allem damit beschäftigt sein, seine Systeme gegen das unendliche Heer der chinesischen Cyber-Soldaten zu schützen. Sicher hat die Suchmaschine noch einige Asse im Ärmel. Letzten Endes kann die chinesische KP nur verlieren. Google ist mächtiger.

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