Tagesthemen


Ein Tag voller Eindrücke und Ereignisse. Viele Themen für den Kanzlerblog, alle mehr oder weniger aktueller Natur. Und jedes verdient eine genauere Betrachtung. Also. Prioritäten setzen. Drei schaffen es in den Blog. Eines, weil es allgegenwärtig ist. Zwei aus ganz subjektivem Erleben heraus.

Alle Achtung, Google

Man muss Google nicht mögen. Die meisten tun es trotzdem. Es gibt aber viele Gründe, skeptisch zu sein. Das „don’t be evil“ nehmen der Company mit einem Börsenwert von 160 Milliarden Dollar nur noch die wenigsten ab. Und trotzdem. Was auch immer sie motiviert hat, sich mit dem Machtapparat in China anzulegen, es könnte Gutes bewirken.

Vor vier Jahren hat Google noch vor der Staatspartei gekuscht. Wie alle, die das große Geld im Land der aufgehenden Sonne witterten. Unternehmen. Regierungen. Alle waren bereit, die Spielregeln der Partei zu akzeptieren. Ab und zu wurde mal gemault, aber bloß nicht zu laut.

Auch Google hat mitgespielt. Nicht so eifrig wie Yahoo, die sogar Dissidenten ans Messer geliefert haben sollen. Aber sie haben mitgespielt.

Jetzt entdeckt Google auf einmal die Meinungsfreiheit und seine Mission. Und bei allem, was man Google vorwerfen mag, die Mission, das Wissen der Welt allgemein zugänglich zu machen, nimmt man ihnen ab. Egal, welche Interessen sie damit auch verfolgen.

Nun gerät die chinesische Staatspartei in Erklärungsnotstand. Auch dem letzten der 300 Millionen Internetnutzer in China muss klar werden, dass ihnen etwas vom Wissen der Welt vorenthalten wird. Auch wenn sich die Seiten, die www.google.com.hk ausweist, nicht öffnen lassen. Auch wenn die Propagandamaschine die ganze Zeit zu erklären versucht, warum die Masse eben nicht alles wissen darf. Gerade darum.

Kurz und knapp: Alle Achtung Google. Vielleicht kippt Ihr gerade ein paar dicke Tropfen in ein großes Fass. Vielleicht habt ihr auch gerade eine Lawine losgetreten. Totalitäre Regime fallen plötzlich. Das hat die Geschichte gelehrt. Gerade wird vielleicht eines der größten und mächtigsten von einer Entwicklung überrollt, die es nicht mehr kontrollieren kann.

Nein, es wird nicht XING machen

Fehlersuchbild: Gutes Deutsch erwartet heute niemand mehr bei Werbung. Was würde aber der Englischlehrer sagen? (Quelle: XING)

Nein, es hat nicht XING gemacht. Nach dem völlig misslungenen Start der jüngsten Kampagne versucht XING jetzt doch noch, Nutzer dafür zu gewinnen. Ich persönlich mag XING und nutze es beruflich und privat. Die Erwartungen, welche die getürkte Kampagne versucht zu wecken, sind aber schon für sich völlig überzogen. Statt den Fehler einzusehen, versucht die Company nun noch zu retten, was nicht mehr zu retten ist.

Vergesst es! Wer seine eigenen Mitarbeiter als Testimoinals aufppeppt, hat viel Vertrauen verspielt. Da glaubt keiner mehr, dass die Leute, die jetzt mitmachen, waschechte Kunden sind. Schade eigentlich, dass man so etwas über sündhaft teure Premium-Mitgliedschaften mit finanziert.

Öffentlich rechtliche Demokratieinitiative

Erfrischend kommt dagegen heute der WDR daher. Er hat zur NRW-Landtagswahl gemeinsam mit Abgerordnetenwatch einen Kandidatencheck installiert. Es gibt einen Katalog mit 31 Thesen, der allen Direktkandidaten vorgelegt wird. Die sollen dazu Stellung nehmen und damit eine Entscheidungsgrundlage für die Wähler liefern. Nach WDR-Informationen haben bereits 60 Prozent der Kandidaten auf die Anfrage geantwortet. Die, die noch nicht mitgemacht haben, sind auch gelistet. Das bringt sie in Erklärungsnot und sorgt dafür, dass Politiker Farbe bekennen.

Toll gemacht! Damit nutzt der öffentlich rechtliche Rundfunk die neuen Möglichkeiten des Internets, um seinen Auftrag zu erfüllen. Bitte mehr davon!

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